News der Woche: Hochschulen gründen Netzwerk, um Tierschutz in der Forschung zu stärken

Bonn – Acht Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (NRW) haben das sogenannte 3R-Kompetenznetzwerk NRW ins Leben gerufen. Das berichtet das Ärzteblatt in dieser Woche. Um nach eigenen Angaben „den medizinischen Fortschritt und bestmöglichen Tierschutz in Einklang zu bringen“, stellt es das 3R-Prinzip ins Zentrum seiner Arbeit mit Tierversuchen. Dieses Prinzip steht für Replace, Reduce und Refine. Es geht also darum, Tierversuche zu ersetzen, zu reduzieren und zu verbessern. Das Netzwerk soll dazu beitragen, Forschung, Innovation und Ausbildung zu 3R zu fördern.

3R bereits gesetzlich verankert – jedoch mit begrenzter Wirkung

„Das 3R-Prinzip legt fest, dass Tierversuche, wann immer möglich, durch alternative, tierversuchsfreie Methoden zu ersetzen sind“, erklärt Jessica Rosolowski, Referentin für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund. Dieses Prinzip ist bereits Bestandteil der EU-Tierversuchsrichtlinie. Dennoch lässt sich seit Jahren kein entsprechender Rückgang der Anzahl an Tieren erkennen, die in Deutschland und Europa jährlich zu Millionen in Versuchslaboren verwendet werden. Die erforderliche Priorisierung des Ersatzes von Tierversuchen wird nicht konsequent umgesetzt.

Pläne allein reichen nicht, es braucht Fortschritte und Ergebnisse

Darum begrüßt der Deutsche Tierschutzbund die Bestrebungen der Hochschulen, das Leid von Tieren zu reduzieren und zu verhindern. Jedoch fordert der Verband auch die Bundesregierung auf, eine Ausstiegsstrategie aus Tierversuchen zu beschließen. Zudem müsse sie die Förderung von Alternativmethoden massiv ausweiten. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW unterstützt das Netzwerk der Hochschulen in Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn (Foto), Düsseldorf, Essen, Köln und Münster mit immerhin 300.000 Euro. „Mit der Bündelung der in NRW vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenzen kann das 3R-Netzwerk ein wichtiger Treiber für Innovationen, unter anderem auf dem Feld von Alternativmethoden, werden“, sagt Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft in NRW. Doch der Netzwerksgründung und den öffentlichkeitswirksam formulierten Zielen müssen nun auch schnell spürbare Ergebnisse folgen, fordert Rosolowski: „Es ist längst an der Zeit, dass Versuche an Affen, Hunden, Katzen, Mäusen und anderen Tieren durch innovative Methoden abgelöst werden.“

Erkenntnisse von Tierversuchen kaum auf Menschen übertragbar

Aus ethischer Sicht sind Tierversuche ohnehin nicht mehr zeitgemäß. Doch auch wissenschaftlich betrachtet braucht es einen Wandel hin zu tierversuchsfreien Methoden, um etwa Therapien gegen Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder Alzheimer zu entwickeln. Der Deutsche Tierschutzbund sieht es kritisch, dass Ergebnisse aus Tierversuchen Erkenntnisse für die Humanmedizin liefern sollen. „Sie lassen sich nur schwer auf den Menschen übertragen. Schließlich unterscheiden sich Tiere beispielsweise in Körperbau, Lebensweise und -dauer, Stoffwechsel und Erbgut“, erläutert Rosolowski.

(© Fotos: Pixabay – Tibor Janosi Mozes (Maus); Universität Bonn – Dr. Thomas Mauersberg (Gebäude))

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