News der Woche: Große Anzahl an Hühnern und Schweinen fällt nach dem Schlachten bei Untersuchungen durch

Wiesbaden – Zahlreiche geschlachtete Hühner und Schweine sind laut Veterinärbehörden „nicht zum Verzehr geeignet“. Unter den insgesamt 634,4 Millionen Masthühnern, die 2021 in deutschen Schlachthöfen landeten, fielen allein 13,5 Millionen bei amtlichen Fleischuntersuchungen durch – ein Anteil von 2,1 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt nun mit. Von den 50,4 Millionen im Jahr 2021 geschlachteten Mastschweinen stuften die zuständigen Tierärzte und amtlichen Fachassistenten insgesamt 114.500 Tiere als ungenießbar ein.

Hautentzündungen, Flüssigkeit in der Bauchhöhle und Abszesse

Als Hauptgrund für die Untauglichkeit gaben die Veterinärbehörden bei den Masthühnern eine sogenannte tiefe Dermatitis an, also eine Hautentzündung unter anderem im Bereich des Unterbauchs und des Darmausgangs, an der allein 29,4 Prozent der untersuchten Tiere vor ihrem Tod litten. Ursache dafür sind meist Stress oder Angst, was dazu führen kann, dass sich die Tiere Verkratzungen zufügen, die sich entzünden. Das Problem tritt vor allem bei hohen Besatzdichten auf. Am zweithäufigsten stellten die Behörden eine Bauchwassersucht fest – diese Ansammlung größerer Mengen von Flüssigkeit in der Bauchhöhle steht in direktem Zusammenhang mit den hohen Wachstumsraten der Tiere aufgrund der Hochleistungszucht, durch die das Herz-Lungensystem überlastet wird.

Bei den Mastschweinen bemängelte das amtliche Personal hingegen in 36,2 Prozent der Fälle Abszesse im Gewebe, insbesondere an den Gelenken. Die Haltung auf hartem Betonspaltenboden, wie sie in der konventionellen Landwirtschaft üblich ist, begünstigt solche schmerzhaften Gelenkserkrankungen in erheblichem Maße. Bei der Untersuchung der Organe stellte das amtliche Personal darüber hinaus fest, dass etwa 5,4 Prozent der in 2021 geschlachteten Mastschweine an einer Lungenentzündung litten, während bei 10,4 Prozent die Leber mit Parasiten befallen war. Zusätzlich zu solchen tierbezogenen Untauglichkeitsgründen dokumentieren die Veterinärbehörden sogenannte Schlachtschäden, die etwa durch den Schlachtvorgang oder eine unzureichende Ausblutung der geschlachteten Tiere entstehen können. 2021 wurden diese allein bei 2,3 Millionen Masthühnern festgestellt und bei den Mastschweinen in 14.700 Fällen.

Systemwechsel in der Landwirtschaft nötig

„All diese Fälle zeigen, unter welchen unsäglichen Bedingungen Masthühner, Mastschweine und Co. hierzulande gehalten sowie geschlachtet werden und welche gesundheitlichen Folgen die industrielle Landwirtschaft für die Tiere hat“, kritisiert Inke Drossé, Leiterin der Abteilung Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Wir brauchen dringend einen Systemwechsel, zu einer tiergerechten Haltung, die den Bedürfnissen der Tiere ausreichend Rechnung trägt: mit viel Platz, Strukturen, Beschäftigungsmöglichkeiten und Auslauf. Das geht nicht ohne eine auch aus Umwelt- und Klimaschutzgründen erforderlichen Reduktion der Tierbestände. Ein geringerer Konsum von Fleisch ist dafür eine wichtige Grundvoraussetzung.“ Zudem müsse der Weg von der Hochleistungszucht weg und hin zu Tieren führen, die schmerz- und leidensfrei leben können, so Drossé.

(© Foto: Oikeutta eläimille (Hühner))

Comments are closed.