News der Woche: Großbritannien plant Ausstieg aus Tierversuchen

London – Großbritannien macht Ernst beim Ausstieg aus Tierversuchen: Die britische Regierung hat eine umfassende Strategie vorgestellt, die mit umgerechnet rund 85 Millionen Euro Förderung den Weg in eine tierversuchsfreie Wissenschaft ebnen soll. Zur Roadmap gehören konkrete Zeitpläne: Bis Ende 2026 will das Land Haut- und Augenreizungstests an Tieren beenden, ab 2027 keine Mäuse mehr in der Botox-Forschung einsetzen und bis 2030 Versuche an Hunden und nicht-menschlichen Primaten deutlich reduzieren. Stattdessen setzt die britische Regierung verstärkt auf Organ-on-a-Chip-Technologie, 3D-Bioprinting und Künstliche Intelligenz.

Foto: Ratte mit grau-weißem Fell steht aufrecht und schnuppert.Moderne Methoden reduzieren Tierleid

„Der Vorstoß Großbritanniens ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass ein schrittweiser Ausstieg aus Tierversuchen möglich ist, wenn der politische Wille vorhanden ist”, sagt Jessica Rosolowski, Referentin für Tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Ähnliche Entwicklungen gibt es in den USA: Dessen Nationale Gesundheitsinstitute (NIH) haben bereits angekündigt, keine Fördermittel mehr für Projekte zu vergeben, die ausschließlich auf Tierversuchen basieren und die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA arbeitet daran, Tierversuche bei der Medikamentenentwicklung schrittweise durch tierversuchsfreie Methoden zu ersetzen. „International setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Tierversuche nicht nur ethisch problematisch, sondern auch wissenschaftlich überholt sind”, so Rosolowski. „Zeitgemäße, tierversuchsfreie Methoden liefern oft relevantere und präzisere Ergebnisse, da sie direkt auf den menschlichen Organismus ausgerichtet sind.“

Deutschland muss nachziehen

In Deutschland hingegen fehlt weiterhin eine Ausstiegsstrategie. Mit 1,73 Millionen Versuchstieren im Jahr 2022 belegt die Bundesrepublik den zweiten Platz in der EU, nur noch übertroffen von Frankreich. „Diese Zahlen sind beschämend. Die Bundesregierung muss endlich handeln”, fordert Rosolowski. „Die vorherige Ampel-Regierung hat die seit Jahren angekündigte Reduktionsstrategie nicht zum Abschluss gebracht. Die neue Bundesregierung muss die Arbeit daran wieder aufnehmen.” Eine reine Reduktion von Tierversuchen reiche aber nicht aus, so die Expertin. „Wir brauchen einen klaren Fahrplan mit verbindlichen Meilensteinen, wie es Großbritannien jetzt vorgemacht hat – und Einigkeit darüber, dass das langfristige Ziel der vollständige Ausstieg ist.”

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, aus Tierversuchen auszusteigen und diese langfristig durch tierversuchsfreie Methoden zu ersetzen. In seiner Publikation „Wegweiser Tierversuchsfreie Wissenschaft“ zeigt der Verband die vielfältigen Möglichkeiten tierversuchsfreier Methoden auf. Weitere Informationen: tierschutzbund.de/tierversuche.

(Symbolbild: Unsplash – Nikolett Emmert (Ratte))

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