News der Woche: Europol-Razzia deckt auf – Rennpferde illegal zu Fleisch verarbeitet

Den Haag – 200 Ermittler*innen des Europäischen Kriminalpolizeiamtes Europol sind in Belgien, Frankreich, Irland und den Niederlanden gegen Pferdehändler*innen vorgegangen. Die Verdächtigen sollen mutmaßlich tausende ehemalige Sportpferde mit gefälschten Mikrochips und manipulierten Dokumenten verkauft haben, um sie illegal in Schlachthöfe zu schleusen. Ausgediente Rennpferde für den menschlichen Verzehr zu schlachten ist verboten, da die Tiere in der Regel Medikamente bekommen, deren Rückstände im Fleisch enthalten sein können. Für die kriminellen Händler*innen zählt jedoch nur der Profit: Während ausrangierte Sportpferde finanziell wenig wert sind, werden Schlachtpferde für bis zu 1.500 Euro verkauft. Laut der Tierschutzorganisation „House of Animals“ waren vor allem ausgediente Rennpferde aus Großbritannien und Irland betroffen, die quer durch Europa transportiert und in den Niederlanden als Tiefkühlprodukte wie Fleischbällchen und Kroketten vertrieben wurden. Bei den Razzien in Belgien stellten die Fahnder*innen mehr als 100.000 Euro Bargeld sicher und nahmen drei Verdächtige fest. Die Einsatzkräfte überprüften insgesamt über 1.000 Pferde und beschlagnahmten sie größtenteils – die Kontrolle weiterer Pferde steht noch aus.

Verbleib ausgeschiedener Pferde oft ungewiss

„Die kriminellen Geschäfte mit Pferden, die schon viel Leid im Rahmen von Wettkämpfen ertragen mussten, machen die fühlenden Lebewesen erbarmungslos ein weiteres Mal zur Ware“, sagt Andrea Mihali, Leiterin des Referats für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Dass Renn- oder Sportpferde nach ihrer „Karriere“ besonders gefährdet sind, zeigt auch ein Fall aus dem Jahr 2023: Ein Gericht in Marseille verurteilte 15 Täter*innen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden zu Haft- und Geldstrafen, da sie gefälschte Unterlagen nutzten, um illegales Pferdefleisch in den Umlauf zu bringen. Es fehlt eine lückenlose Identifizierung der Tiere, daher fordert der Deutsche Tierschutzbund ein Register für ehemalige Sportpferde. „Diese Intransparenz muss ein Ende haben, damit die Tiere Kriminellen nicht schutzlos ausgeliefert sind. Entscheidend ist, dass die Behörden jetzt handeln, und gegen den organisierten Betrug, dem so viele Tiere zum Opfer fallen, konsequent vorgehen“ appelliert Mihali. In Deutschland ist der Verbleib ausgedienter Turnierpferde ebenfalls häufig schwer nachvollziehbar. Jedes Jahr verschwinden Hunderte Pferde aus den Registern des Deutschen Galopps, dem Dachverband des Galopprennsports in Deutschland. Dass alle Tiere anschließend in der Zucht eingesetzt werden, lässt sich anzweifeln. Denn nicht jedes Rennpferd eignet sich dafür, und die Nachfrage nach Rennpferden auf dem privaten Markt ist begrenzt.

(Symbolfoto: Deutscher Tierschutzbund e.V. – M. Marten (Galopprennen))

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