News der Woche: Erfurter Hundeausstellung wegen Ausschluss von Qualzuchten abgesagt

Erfurt – Die internationale Rassehundeausstellung, die jetzt im Mai in Erfurt hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt. Grund dafür sind Auflagen der Veterinärämter: Sie schließen Hunde mit Qualzuchtmerkmalen, wie beispielsweise zu kurzen Schnauzen, von der Messe aus. Bereits in den vergangenen zwei Jahren führten strengere Vorgaben zu weniger Teilnehmer*innen: Während in Hochphasen bis zu 2.000 Hunde täglich ausgestellt worden seien, wurden im Jahr 2023 nur rund 600 Hunde pro Tag auf der Messe präsentiert, berichtete Dirk Topel vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) gegenüber dem MDR. Der VDH Landesverband Thüringen organisiert die Veranstaltung, die bislang zwanzig Mal abgehalten wurde. Dort zeigen Züchter*innen und Halter*innen normalerweise ihre Hunde ein Wochenende lang dem Publikum und machen bei Wettbewerben mit. Der Website des Landesverbandes zufolge soll es die Messe 2025 wieder geben. Laut Topel weichen die Veranstalter*innen notfalls auf einen anderen Ort aus. Die Erfurter Behörden sind mit ihrer Entscheidung der Tierschutz-Hundeverordnung nachgekommen, die 2022 erneuert wurde. Seither ist die Ausstellung von Hunden, die erblich bedingt von Schmerzen, Leiden oder Schäden betroffen sind, verboten. Was als Qualzucht gilt, ist allerdings nicht einheitlich geregelt. Die Veterinärämter gehen je nach Region unterschiedlich gegen das Ausstellen von Qualzüchtungen vor. Einige Züchter*innen nutzen die unterschiedliche Handhabung aus und organisieren in anderen Landkreisen, wenn sie im ersten Zuständigkeitsgebiet nicht ausstellen dürfen.

Lebenslanges Leid

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt, dass die Rassehundeausstellung wegen der Vorgaben zu Qualzuchtmerkmalen ausfällt. „Das Leid der betroffenen Hunde aufgrund der Schönheitsideale von Menschen darf nicht länger unkritisch dargestellt, normalisiert oder sogar beschönigt werden – schon gar nicht auf einer Veranstaltung, die etliche Besucher*innen zur Unterhaltung anzieht“, sagt Lisa Hoth-Zimak, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Qualzuchten leiden ein Leben lang, da bestimmte optische Merkmale zu Extremformen gezüchtet wurden. Diese verursachen körperliche Beschwerden. Kurzköpfige Hunde wie der Mops oder Französische Bulldoggen haben zum Beispiel oftmals mit Haut-, Ohren- und Augenproblemen, Kiefer- und Zahnfehlstellungen sowie Atemnot zu kämpfen. „Da vielen Personen das vermeintlich süße Aussehen von Qualzuchtrassen gefällt, bleibt die Nachfrage hoch, sodass Züchter*innen solche Tiere immer weiter vermehren“, so die Expertin.

Überarbeitung des Qualzuchtparagraphen

Zwar sind Qualzuchten theoretisch bereits heute verboten, jedoch sind diese nur sehr vage definiert. Daher ist es schwierig, Qualzuchten rechtlich zu verfolgen. Der Deutsche Tierschutzbund hat einen Entwurf einer Qualzuchtverordnung erstellt, der zeigt, wie diese bestenfalls aussehen sollte. Fortschritte sind in Sicht: Der aktuelle Entwurf der Bundesregierung für ein neues Tierschutzgesetz sieht vor, den Qualzuchtparagraphen zu konkretisieren, indem Beispiele wie Atemnot genannt werden sollen. Zudem soll es ein Verbot der Zurschaustellung von Qualzuchten aller Tierarten sowie ein Verbot für Werbungen mit Qualzüchtungen geben. Unabhängig von der Qualzuchtthematik, bedeuten solche Veranstaltungen wie in Erfurt puren Stress für die Tiere. Aus Tierschutzsicht ist es unerlässlich, derartige Messen, die hunderte bis tausende Hunde auf engem Raum wie Objekte ausstellt und anhand ihrer Optik bewertet, ausnahmslos zu beenden.

(© Symbolfotos: Pixabay – Choxyltd (Mops); Unsplash – Anima Visual (Französische Bulldogge))

 

 

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