Kopenhagen – Um den Schutz von Schweinen, Rindern und Geflügel zu verbessern, will Dänemark die staatlichen Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben deutlich ausbauen. Ende September stellte die dänische Regierung einen Notfallplan vor, der unter anderem mehr als doppelt so viel Kontrollpersonal, häufigere Kontrollen und härtere Strafen für Tierquälerei vorsieht. Auslöser war ein Bericht des dänischen Rechnungshofs, der im April schwere Mängel im Kontrollsystem offengelegt hatte. Eine Bestandsaufnahme des Justizministeriums ergab zudem, dass zwischen 2025 und dem ersten Halbjahr 2026 rund 1.500 vorgesehene Nachkontrollen nicht durchgeführt worden waren.
Mehr Personal, mehr Kontrollen, höhere Strafen
Um die neuen Maßnahmen umsetzen zu können, soll eine eigenständige Behörde für Tierschutzkontrollen ab Anfang 2027 ihre Arbeit aufnehmen. Zu den 118 Beschäftigten, die von der dänischen Veterinär- und Lebensmittelbehörde übernommen werden, kommen 134 neue Stellen. Ab Juli 2027 sollen in Schweine- und Rinderbetrieben zwei Fachleute gemeinsam vor Ort kontrollieren, in Geflügelhaltungen ab Januar 2028. Jedes Jahr sollen 30 statt 20 Prozent der Schweine- und Rinderbetriebe Besuch von Kontrolleur*innen bekommen, Betriebe, die schon einmal wegen Verstößen aufgefallen sind, öfter. Für schwere Tierquälerei drohen voraussichtlich ab Juli 2027 bis zu sechs Jahre Haft statt bisher zwei. Zudem sollen Bußgelder steigen und Tierhalteverbote leichter möglich werden. Diese Verschärfungen sollen am 1. Juli 2027 in Kraft treten. Die Kosten von umgerechnet rund 16 Millionen Euro pro Jahr tragen größtenteils die Betriebe über Gebühren.
Auch Deutschland braucht wirksame Kontrollen
„Aus Tierschutzsicht ist es sehr zu begrüßen, dass Dänemark die eigenen Missstände erkannt hat und nun konsequent etwas dagegen unternimmt“, sagt Dr. Claudia Salzborn, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Deutschland muss dringend nachziehen. Denn auch hierzulande stellen die Behörden in den Ställen regelmäßig haltungsbedingte Verletzungen, Krankheiten und viele verendete Tiere fest – kontrolliert wird trotzdem selten.“
2024 prüften die Veterinärämter nur gut ein Fünftel der kontrollpflichtigen Tierhaltungen und fanden in knapp jedem vierten dieser Betriebe Verstöße. „Viele Missstände dürften also lange unentdeckt bleiben. Und selbst wenn ein Fall vor Gericht landet, schöpfen die Richter*innen den Strafrahmen von bis zu drei Jahren Haft nur selten aus“, so die Expertin. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, die Veterinärämter personell zu stärken, die Strafen für Tierquälerei zu verschärfen und Menschen mit Tierhalteverbot in einem zentralen Register zu erfassen. Kontrollen sichern aber nur das gesetzliche Minimum. Deshalb setzt sich der Verband auch dafür ein, tierschutzwidrige Haltungssysteme zu verbieten, etwa einstreulose Warmställe mit Vollspaltenböden und ohne Zugang zu Außenklimareizen oder Auslauf. Dass es besser geht, zeigen die Betriebe im Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes. Ihre Tiere haben nicht nur Kontakt oder Zugang zum Außenklima und deutlich mehr Platz und Beschäftigung als gesetzlich vorgeschrieben, sondern unabhängige Kontrolleur*innen prüfen jeden Betrieb mindestens zweimal im Jahr völlig unangekündigt.
(Symbolfoto: stock.adobe.com – curto (Schweine))



