News der Woche: EU-Parlament stimmt für nachhaltigen Artenschutz

Straßburg Es ist ein wichtiger Schritt für den Schutz der Artenvielfalt in Europa: Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben diese Woche über ihre Positionierung zur neuen EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 abgestimmt und sich dabei zu Forderungen von Tier- und Naturschutzverbänden, darunter auch des Deutschen Tierschutzbundes, bekannt. Somit sprachen sie sich dafür aus, dass unter anderem finanzielle Mittel bereitgestellt, verbindliche Vorgaben gesetzt und neue Gesetzgebungen festgelegt werden, um die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie zu realisieren und somit die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Noch im kommenden Jahr soll die EU-Kommission nun einen entsprechenden Gesetzesvorschlag vorlegen.

Konsequentere Maßnahmen

Die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 wurde bereits im Mai vergangenen Jahres von der Europäischen Kommission vorgestellt, nachdem das Parlament zuvor im Januar gefordert hatte, die Hauptursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt zu bekämpfen und verbindliche Ziele für ihren Schutz festzulegen. Bei ihrer Sitzung in dieser Woche legten die Parlamentarier ihre konkreten Standpunkte zur Strategie fest und stimmten unter anderem mehrheitlich für konsequentere Maßnahmen sowohl gegen den illegalen als auch den legalen Wildtierhandel, da dieser nachweislich zum Rückgang der biologischen Vielfalt beiträgt. Im Zuge dessen forderten die Abgeordneten die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten auf, sich unter anderem für die Einführung einer Positivliste einzusetzen. Diese würde diejenigen Tierarten definieren, gegen deren Haltung in Privathand aus Tier-, Natur- und Artenschutzgründen sowie Gesundheits- und Sicherheitsaspekten keine Bedenken bestehen – ein wichtiger Schritt, um Wildtiere deutlich besser zu schützen. Denn in den meisten EU-Mitgliedsstaaten, auch in Deutschland, können auf Tierbörsen und im Internet Schildkröten, Schlangen, Papageien, Äffchen und andere Exoten problemlos anonym gehandelt und erworben werden – oftmals unüberlegt und ohne, dass die Käufer ihre Sachkunde nachweisen müssen. Für die Tiere bedeutet das meist lebenslanges Leid, da Privathalter ihre hohen Ansprüche kaum erfüllen können. Hinzu kommt, dass viele Arten nachweislich Träger von Krankheitserregern sind, die auch dem Menschen gefährlich werden können.

Problematik der Pelztierhaltung und Aquakultur

Das Parlament bestätigte außerdem, dass auch die Pelztierhaltung erhebliche Tierschutzprobleme mit sich bringt und Zoonosen, also von Tier zu Mensch übertragbare Infektionskrankheiten, begünstigen kann – das zeigten jüngst die Corona-Ausbrüche auf Hunderten Nerzfarmen in der EU. Ebenso erkannten die Abgeordneten an, dass das Verfüttern von Wildfisch an Zuchtfische in Aquakulturen zu einem Verlust der Biodiversität in den Meeren führt.
„Diese Abstimmung ist ein großer Erfolg und ein starkes Bekenntnis, die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 erfolgreich umzusetzen“, sagt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Denn mit diesem Schritt fordert das EU-Parlament die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten auf, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt konsequent zu schützen.“

(© Fotos: Pixabay – Steffen Wachsmuth (Chamäleon); One Voice (Nerz))

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