Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER
„Aus betrieblichen Gründen geschlossen“ – als der Tiergarten Nürnberg am 29. Juli kurzfristig Besucher* innen mit dieser Nachricht abwies, schwante Tierschützer*innen in ganz Deutschland Böses. Und tatsächlich töteten die Verantwortlichen in einem von Polizei und Sicherheitskräften abgeriegelten Zoo an diesem Tag zwölf gesunde Guinea-Paviane – sie ließen sie jeweils in einer Transportkiste erschießen. Weibliche Tiere wurden zuvor untersucht, um auszuschließen, dass sie trächtig sind. Zwei Affen starben schon während der dafür notwendigen Narkose. Und das alles geschah aus Platzmangel. Denn die Zooführung hatte es bewusst zugelassen, dass sich die Primaten vermehrten, bis in der für 25 Tiere ausgelegten Anlage zuletzt 43 lebten. Das führte zunehmend zu Konflikten und Verletzungen unter den Pavianen. Der Tiergarten hatte schon im Februar 2024 bekannt gegeben, einen Teil von ihnen töten zu wollen. Unzählige Proteste, öffentliche Aufrufe und kontroverse Diskussionen konnten das Zooteam nicht davon abbringen. „Gesunde Guinea-Paviane zu töten ist grausam und ethisch nicht zu rechtfertigen. Der Zoo hat damit einen Tabubruch begangen“, sagt Paulina Kuhn, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Mit den Pavianen wurden erstmals in einem deutschen Zoo auch gesunde Primaten getötet. Der Deutsche Tierschutzbund sieht das als klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz – und hat daher Strafanzeige gestellt. Denn das Gesetz fordert einen „vernünftigen“ Grund für die Tötung von Tieren. Er gilt rechtlich beispielsweise dann, wenn ein Tier schwer krank oder von vornherein als Futter gedacht ist. Einige Paviane hat der Zoo zwar an andere Tiere verfüttert, trotzdem rechtfertigt das nicht ihre Tötung. „Die Guinea-Paviane, eine potenziell gefährdete Tierart, wurden zur Zurschaustellung im Zoo und für den Arterhalt gezüchtet, nicht als Futtertiere“, erklärt Kuhn.

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