Autor: Sandy Syperek, Redakteurin DU UND DAS TIER
Sobald die Tage im Frühling länger werden und die ersten Knospen sprießen, erwacht die Natur zum Leben – der perfekte Zeitpunkt für eine Wanderung mit Hund. Denn frische Luft und Bewegung im Grünen tut uns Menschen und Hunden gleichermaßen gut. Ob in der Eifel, der Lüneburger Heide oder im Harz – dort warten spannende Gerüche und viele weitere neue Eindrücke aus der Natur. Allerdings sollten Halter*innen vorab sicherstellen, dass ihr Hund die Route bewältigen kann.
„Ein ausgewachsener, gesunder Hund, der zuverlässig auf Signale wie ,Komm‘ oder ,Bleib‘ hört, ist der optimale Partner zum Wandern“, sagt Lisa Hoth-Zimak, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Welpen und Junghunde hingegen verletzen sich beim Wandern schnell, da ihre Knochen, Gelenke und Muskeln noch nicht fertig entwickelt sind. Senioren oder chronisch kranke Tiere, insbesondere solche mit körperlichen Einschränkungen, sollten ebenfalls keine ausgedehnten Wanderungen mitmachen. Auch die Größe und Rasse sind ausschlaggebend. So können lange Märsche für sehr kleine Hunde zur Tortur werden, da sie mit ihren kurzen Beinen mehr Schritte machen müssen. Große Hunde wie Golden Retriever neigen wiederum zu Hüftproblemen. „Qualzuchten wie Französische Bulldoggen und Möpse bekommen aufgrund ihres runden Kopfes und ihrer kurzen Nase schlecht Luft. Sie sind oft schon von einem normalen Spaziergang angestrengt und sollten ihre Halter*innen nicht zu einer Wanderung begleiten“.
– Lisa Hoth-Zimak
Welche Strecke ein Hund meistern kann, ist immer individuell. Für den Anfang sind leichte Wanderwege ratsam, um den Hund nicht zu überfordern. Wenn die erste Route gut klappt, können Halter*innen die Länge oder die Höhenmeter beim nächsten Mal steigern. Wichtig ist, die Witterungsbedingungen zu berücksichtigen. Wanderungen bei extremer Hitze oder Kälte sind für Hunde zu belastend. Darüber hinaus müssen stets Zwischenstopps eingeplant sein. „Läuft der Hund munter mit seinen Menschen mit oder sogar voraus, ist das ein gutes Zeichen. Spätestens wenn er langsamer wird oder lustlos nebenher trottet, ist es Zeit für eine längere Pause“, so Hoth-Zimak. Unter Umständen kann ein Abbruch der Wanderung nötig sein. Dieser muss rechtzeitig erfolgen und nicht erst, wenn der Hund bereits an seine Grenzen gekommen ist. Im Notfall müssen Halter*innen ihren Schützling zurücktragen können. Die Expertin rät davon ab, Hunde in einem Rucksack zu transportieren. „Die Tiere können sich darin kaum bewegen. Hundebuggys sind besser geeignet, sofern der Hund daran gewöhnt ist und darin nicht nur auf einer Stelle liegt oder sitzt.“
Vor anspruchsvollen Touren empfiehlt es sich, den Hund auch über den jährlichen Gesundheitscheck hinaus in einer tierärztlichen Praxis vorzustellen. Die Tierärztin oder der Tierarzt kann einschätzen, ob der Hund für die vorgesehene Wanderung fit genug ist. Halter*innen sollten sich auch zum Parasitenschutz beraten lassen. Dieser hält je nach Präparat Zecken und Mücken fern, die sonst gefährliche Krankheiten übertragen können. Das Mittel sollte unabhängig vom Schwierigkeitsgrad der Wanderung am besten einige Tage vor dem Ausflug aufgetragen werden. Findet die Wanderung im Ausland statt, sollten sich Halter*innen zudem über Schutzmaßnahmen gegen sogenannte Reisekrankheiten informieren und unter anderem eine Vorsorge gegen Herzwürmer erwägen.
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Wie bei jedem Ausflug sind ein gutsitzendes Halsband oder Geschirr und eine Leine wichtig. Vor allem im Wald und in Wildtiergebieten sollte der Hund angeleint sein. „Ins Gepäck gehört auch ein Erste-Hilfe-Set für Hunde mit Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und einer Zeckenzange. Halter*innen sollten ihr Tier trotz Parasitenschutz abends nach Zecken absuchen“, erklärt die Expertin. Je nach Höhenlage und Wettervorhersage ist ein wärmender und wasserabweisender Mantel für Hunde sinnvoll. Pfotenschuhe schützen auf steinigen Bergen oder schneebedeckten Wegen zusätzlich vor Verletzungen und Kälte. An dieses Zubehör sollte der Hund bereits Wochen vorher mit positiver Verstärkung gewöhnt werden. Verpflegung wie Leckerlis und frisches Wasser, entweder in einer Trinkflasche für Hunde oder in einem faltbaren Wassernapf, ist Pflicht. Bei Wanderungen über mehrere Tage benötigt der Hund zudem sein gewohntes Futter. Da er meist mehr Energie als im Alltag verbraucht, ist eine größere Portion notwendig.
Auch beim Wandern kann es zu unvorhersehbaren Situationen kommen, in denen ein Hund entläuft, beispielsweise wenn plötzlich ein ungewohntes Geräusch zu hören ist. Daher ist es wichtig, dass der Hund mit einem Mikrochip gekennzeichnet und bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert ist. Falls der Hund verschwindet, kann er leichter wieder seinen Besitzer*innen zugeordnet werden. Wenn all diese notwendigen Vorkehrungen für die Wanderung getroffen sind, steht dem nächsten Naturerlebnis mit Hund nichts mehr im Wege.