Tödlicher Handel

Aus dem Print-Magazin

Tödlicher Handel

Der illegale Handel mit jungen Tieren im Internet floriert – mit leidvollen und oft tödlichen Folgen für die Tiere. Die EU will sie besser schützen, doch ein jüngster Fall zeigt erneut, dass die Politik schneller und konsequenter handeln muss.

  • Autoren: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

  • Christoph Götz, Redakteur DU UND DAS TIER

Erstmals seit 2021 ist in Deutschland wieder ein Hund nachweislich an Tollwut verstorben. Das Jungtier, das aus Russland nach Rheinland-Pfalz importiert worden war, starb Ende Januar in der Quarantänestation eines Tierheims. Den mitgeführten Dokumenten zufolge war das Tier fast acht Monate alt, gechippt, gegen Tollwut geimpft und verfügte über einen Tollwut-Antikörper-Titer. Doch vermutlich waren die Papiere gefälscht. Denn die nach dem Tod durchgeführte Untersuchung ergab, dass das tatsächliche Alter deutlich darunter lag und der Welpe nicht wirksam gegen Tollwut geschützt war. Die Behörden stufen den Import als illegal ein und ermitteln.

Unter dem Deckmantel des Tierschutzes

„Dieser Fall zeigt erneut, wie wichtig es ist, dass beim Import von Tieren aus dem Ausland alle Regularien strikt eingehalten werden und Interessierte beim Kauf auf eine seriöse Vermittlung achten“, erklärt Dr. Romy Zeller, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Ob es in diesem Fall bewusste Manipulation war, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass illegaler Welpenhandel häufig als Auslandstierschutz getarnt wird. Das Mitgefühl von Tierfreund*innen wird ausgenutzt, um mit falschen Tatsachen Geld zu machen.“ Die Folgen illegalen Welpenhandels sind dramatisch: Jungtiere werden ihren Eltern viel zu früh entrissen, leiden unter tierschutzwidriger Haltung, müssen stundenlange Transporte ertragen und erkranken häufig schwer oder sterben sogar. Sie können auch andere Tiere und Menschen mit Infektionserregern anstecken – Tollwut endet, wie im aktuellen Fall, immer tödlich, sobald Symptome auftreten. „Um den illegalen Welpenhandel einzudämmen, muss die Politik endlich tätig werden und beispielsweise den Onlinehandel mit Tieren strenger regulieren“, fordert Zeller.

EU plant Fortschritte

Die EU will den Schutz von Hunden und Katzen verbessern. Dazu hatte das Europaparlament 2025 das „Cats and Dogs Proposal“ verabschiedet. Nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Europäischer Kommission und EU-Staaten muss es nun nur noch vom Rat der Europäischen Union und vom Europäischen Parlament gebilligt werden, bevor es förmlich angenommen wird. Es ist eine Chance, den Tierschutz deutlich zu stärken. Alle in der EU gehaltenen Hunde und Katzen müssten dann durch einen Transponder mit Mikrochip gekennzeichnet und in einem Haustierregister wie FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert sein. „Das ist ein entscheidender Schritt, um den illegalen Tierhandel wirksam einzudämmen“, sagt Zeller. Allerdings würde die Pflicht für privat gehaltene Hunde und Katzen erst mit Übergangsfristen von bis zu 15 Jahren starten. „Deutschland wäre gut beraten, eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht zeitnah umzusetzen, statt die Fristen auszureizen.“ Kritisch sieht der Deutsche Tierschutzbund auch, dass bestimmte Artikel der Verordnung nur für Züchter*innen ab einer bestimmten Tier- und Wurfzahl gelten. So bleiben Schlupflöcher für unseriöse Zuchten – zum Leidwesen der Tiere.

Weiterführende Informationen

  • Informieren Sie sich online darüber, wie illegaler Welpenhandel im Internet funktioniert und wie Sie den Tieren helfen können.
    tierschutzbund.de/welpenhandel
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