Aus dem Print-Magazin

Hilfe für Mensch und Tier

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Hilfe für Mensch und Tier

Bundesweit gibt es immer mehr Menschen, die sich die Versorgung ihrer Haustiere mit der Zeit kaum noch leisten können. Tiertafeln sind für solche bedürftigen Halter*innen eine wichtige Anlaufstelle – so auch die Initiative „Lecker Fresschen“ des Tierschutzvereins Stadt Schleswig und Kreis Schleswig-Flensburg.

  • Autor: Nadine Carstens, Redakteurin DU UND DAS TIER

Die eigene finanzielle Situation kann sich schnell und unerwartet ändern – wenn zum Beispiel der sicher geglaubte Arbeitsplatz wegfällt oder die*der Lebenspartner*in stirbt und die Lebenshaltungskosten steigen, reißt das viele Menschen in eine persönliche und wirtschaftliche Krise. Das geliebte Haustier ist in solchen Phasen eine besonders wichtige Stütze. Doch was, wenn auch das Geld für Futter und tierärztliche Behandlungen fehlt? In solchen Notfällen können Tiertafeln helfen – wie etwa die Initiative „Lecker Fresschen“ des Tierschutzvereins Stadt Schleswig und Kreis Schleswig-Flensburg, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes.

„Wir haben die Initiative gegründet, weil der Bedarf immer größer wurde.“

– Nicole Schmonsees

Bedürftige können jeden Monat Tierfutter abholen

Seit bereits 15 Jahren bieten die Tierschützer*innen nachweislich bedürftigen Menschen Unterstützung, damit sie ihre tierischen Gefährten weiterhin versorgen können. „Wir haben die Initiative gegründet, weil der Bedarf immer größer wurde und wir sowohl den Halter*innen als auch den Tieren helfen wollten“, berichtet Nicole Schmonsees, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins. „Denn wenn die Menschen ihre Tiere, die sie bereits seit Jahren begleiten, aus finanziellen Gründen abgeben müssten, hilft das niemandem – weder uns noch den Halter*innen oder ihren tierischen Schützlingen.“ In den ersten Jahren fand die Tiertafel zu festen Terminen im Jugendzentrum Schleswig statt. Nach der Coronapandemie verlegte der Tierschutzverein das Angebot in das eigene Tierheim. Seither können bedürftige Halter*innen einmal pro Monat nach Terminabsprache in die Einrichtung kommen und eine für sie kostenlose Tierfutterspende abholen. Oft können sie sich auch Sachspenden mitnehmen, die sie für ihre Hunde, Katzen und Co. benötigen – zum Beispiel Katzenstreu, Hundedecken oder Transportboxen. Regelmäßige Besucher* innen erhalten für einen Zeitraum von zwölf Monaten eine Art Ausweis, damit das Team des Tierschutzvereins für eine gerechte Verteilung festhalten kann, wie viele Haustiere die Halter*innen besitzen, und ob sie ihre monatliche Spende bereits abgeholt haben.

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„Heutzutage sind es etwa 30 bis 40 Menschen, die diese Hilfe jeden Monat in Anspruch nehmen, darunter viele, die von Altersarmut betroffen sind“, erklärt Schmonsees. Für diese Aktion verwende der Verein ihr zufolge weder Mitgliedsbeiträge noch sonstige Spendengelder, die für das Tierheim Schleswig bestimmt sind. Ermöglicht werde das Angebot stattdessen von Menschen, die gezielt für diesen Zweck spenden – ähnlich wie bei Tafeln für Lebensmittelspenden. So lagern die Tierschützer*innen die dafür vorgesehenen Futtervorräte für Hunde, Katzen, Kaninchen und Co. in einer eigenen Futterkammer auf dem Außengelände des Tierheims. „Gelegentlich erhalten wir dafür auch Sachspenden wie Decken oder Körbchen“, so die Tierschützerin.

Zunehmend mehr Anfragen

„In letzter Zeit erreichen uns immer mehr Hilferufe von Menschen, die sich auch die tierärztlichen Kosten nicht mehr leisten können“, schildert Schmonsees. „Zuletzt hatten wir beispielsweise den Fall, dass der Vater einer Familie mit acht Kindern und einer pflegebedürftigen Ehefrau wegen OP-Kosten in Höhe von 6.500 Euro auf uns zukam: Ihr Hund war in einem unachtsamen Moment aus dem Haus und vor ein Auto gelaufen, sodass er sich die Hüfte brach und dringend operiert werden musste.“ In solchen Fällen versucht der Tierschutzverein, mit den Kliniken oder Praxen zu verhandeln – diesmal mit Erfolg: „Die behandelnde Klinik stimmte zu, dass die Halter*innen 90 Prozent der Kosten in Raten begleichen, was keineswegs selbstverständlich ist.“ Der Tierschutzverein Schleswig übernahm die restlichen zehn Prozent. Auch wenn Zahnbehandlungen dringend nötig sind, versucht der Verein zu unterstützen. Für die Tiere seien solche Zahnschäden zwar nicht lebensbedrohlich, dafür aber besonders schmerzhaft – die tierärztliche Behandlung verursache dann schnell Kosten im vierstelligen Bereich, was sich viele Halter*innen oft kaum leisten können, so die Tierschützerin. „Diese Unterstützung und unsere Tiertafel sind leider nur für Menschen möglich, die in unserem Zuständigkeitsbereich im Umkreis von Schleswig wohnen“, sagt Schmonsees. „Aber die Tierhalter*innen, denen wir helfen können, zeigen sich umso dankbarer.“