Exklusiv Print

Wo Tiere eine zweite Chance bekommen

Exklusiv Print

Wo Tiere eine zweite Chance bekommen

Der Deutsche Tierschutzbund lud zum 15. Mal Pat*innen und Spender*innen in sein Tierschutzzentrum Weidefeld ein. An zwei Tagen konnten sie ihre tierischen Schützlinge und die Arbeit vor Ort aus nächster Nähe erleben.

  • Autor: Nadine Carstens, Redakteurin DU UND DAS TIER

Unterstützen Sie unser Tierschutzzentrum Weidefeld mit Ihrer Spende, damit wir den vielen Tieren in Not auch künftig helfen können.

tierschutzbund.de/spenden-weidefeld

Ein wenig verwundert, aber neugierig wandert Mascha den streng gesicherten Zaun entlang und beobachtet die Menschen – so viele Besucher*innen erleben die Braunbärin und die anderen tierischen Bewohner sonst nicht. Aber wenn einmal im Jahr die Pat*innentage im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes stattfinden, lassen die Pat*innen sich nicht lange bitten. Ein Wochenende lang hatten sie die Möglichkeit, ihre tierischen Schützlinge aus nächster Nähe zu beobachten und sich selbst ein Bild von ihrem Wohlergehen zu machen. Auch Spender*innen aus dem Umkreis hatte der Verband eingeladen, die Arbeit vor Ort besser kennenzulernen. Familie Graßhoff zum Beispiel besuchte zum ersten Mal ihr Patentier Mascha, und nicht nur die sechsjährige Tochter Mia zeigte sich begeistert. „Zu Weihnachten habe ich meinem Mann eine Patenschaft für Mascha geschenkt – dabei war es mir wichtig, etwas zu finden, wo ich weiß, da wird wirklich etwas für die Tiere gemacht“, so Ulrike Graßhoff. „Es ist schön zu sehen, wie gut es den Tieren hier geht, und wir sind beeindruckt von der Größe des Geländes. Nächstes Jahr werden wir sicher wiederkommen.“

Familie Graßhoff besuchte ihr Patentier, Bärin Mascha.

Tierschutzarbeit vor Ort erleben

Zahlreiche der über 450 Besucher*innen nahmen weite Strecken auf sich, um die bundesweit einzigartige Einrichtung in Kappeln an der Ostsee zu besuchen – wie Rita und Fritz Matschiowalli aus Unterfranken, die Pat*innen von Waschbärin Mia sind und bereits zum fünften Mal herkamen. „Kennengelernt haben wir Weidefeld durch unsere Enkelin, die hier ihre Ausbildung zur Tierpflegerin absolviert hat“, schilderte Fritz Matschiowalli. Die beiden statteten nicht nur Mia einen Besuch ab, sondern informierten sich auch über die anderen Tiere. So tauschten sie sich unter anderem mit Tierpflegerin Viviane Arlt aus, die vor dem Lissi Lüdemann-Haus von ihrer Arbeit mit den hier lebenden Hunden berichtete. Sie und ihre Kolleg*innen trainieren und therapieren Hunde, die zu einem problematischen Verhalten neigen und schnell aggressiv werden. „Finn beispielsweise stammt aus der Türkei und kam 2022 zu uns, nachdem seine Halter*innen ihn im Tierheim abgegeben hatten und er sich dort nicht gut einlebte“, so Arlt. „Anfangs hat er nur mich akzeptiert. Das Training mit ihm ist sehr schwer, aber mittlerweile lässt er sich den Maulkorb anlegen, anleinen und von mehreren Tierpfleger*innen führen.“ Es ist nur eines von vielen Vorzeigeprojekten in Weidefeld, mit denen der Deutsche Tierschutzbund Tierheimen und Tierschutzvereinen auch die Möglichkeit bietet, sich beraten zu lassen und weiterzubilden – so entwickelt der Verband im Tierschutzzentrum praxisnahe Lösungen zu aktuellen Tierschutzfragen, und bietet regelmäßig Seminare für Tierheimmitarbeiter* innen und Auszubildende an. Ähnlich wie Finn haben alle tierischen Bewohner in Weidefeld keine einfache Vergangenheit. Doch genau diesen besonders hilfsbedürftigen Tieren, die oftmals aus einer sehr schlechten Haltung kommen und in anderen Einrichtungen keinen Platz finden, gibt das Tierschutzzentrum auf einer Fläche von insgesamt 13 Hektar eine zweite Chance – von Affen, Ziegen, Schlangen und Schildkröten über Pferde und Puten bis hin zu Wild- und Minischweinen. Sie alle haben hier ihre speziell auf ihre natürlichen Bedürfnisse zugeschnittenen Bereiche mit vielen Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten und bekommen die Fürsorge, die sie benötigen.

Tierpflegerin Antonia Eschenfelder informierte die Besucher*innen über die in Weidefeld lebenden Waschbären.

Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis

Das besondere Engagement des Weidefeld-Teams hoben auch Thomas Schröder, Präsident, und Ellen Kloth, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes sowie Vorsitzende von dessen Landesverband Schleswig-Holstein, gleich bei der Begrüßung der Besucher*innen hervor: „Ihr seid die Brücke zwischen der Wissenschaft und dem praktischen Tierschutz, denn hier entsteht die Grundlagenarbeit für die Tierheime. Wie es unser Motto ausdrückt: ‚Tierschutz mit Herz und Verstand‘ – das ist Weidefeld.“ Doch all das ginge nicht ohne die Pat*innen und Unterstützer* innen des Tierschutzzentrums, sagte Schröder. „Deswegen gilt unser herzlicher Dank Ihnen, da Sie diese Arbeit mit Ihrer Patenschaft, Ihrer Spende, erst möglich machen.“ Dem schloss sich Dr. Katrin Umlauf, Leiterin des Tierschutzzentrums, an: „Ich freue mich über viele bekannte und auch viele neue Gesichter.“ Diese erkundeten die unterschiedlichen Tierstationen auf dem Gelände, an denen die Tierpfleger*innen aus ihrem Arbeitsalltag erzählten und alle Fragen beantworteten. Besonders groß war der Andrang vor dem Waschbärengehege, wo öffentliche Fütterungen stattfanden. Antonia Eschenfelder, die frisch ihre Ausbildung zur Tierpflegerin abgeschlossen hat, verwöhnte die Rasselbande mit Eisbomben aus verschiedenen Leckereien. „Das Waschbärengehege haben wir gerade erst erweitert – in dem neuen Bereich leben drei sehr scheue Jungtiere. Ihre Mutter wurde offenbar in einer Güllegrube versenkt“, so Eschenfelder. „Noch sind sie durch einen Zaun von der älteren Waschbärengruppe getrennt, damit sie sich erst beschnuppern und wahrnehmen können, aber schon bald werden wir sie zusammenführen.“ So entwickelt sich das Tierschutzzentrum immer weiter. Die Arbeit und der Bedarf gehen schließlich nicht aus. „Zum Beispiel erhalten wir von Behörden so viele Anfragen zur Aufnahme von beschlagnahmten Papageien, dass wir unsere Station theoretisch vergrößern könnten“, so Umlauf. Wenn es neue Entwicklungen gibt und Weidefeld tierischen Zuwachs bekommt, erfahren die Pat*innen und Spender*innen jedenfalls als Erstes davon.

 

Die Tiere brauchen Sie

  • Unterstützen Sie die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes: Werden Sie Fördermitglied und erhalten Sie das Magazin DU UND DAS TIER frei Haus. Wir informieren Sie über alle tierschutzrelevanten Entwicklungen mit Berichten, Reportagen und spannenden Hintergrundberichten und Sie helfen uns dabei, den Tieren zu helfen.
    duunddastier.de/mitgliedschaft