Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER
Hoffnung, Inspiration, Wertschätzung, gemeinsame Ziele und ein Gefühl von Zusammenhalt – wenn der Deutsche Tierschutzbund zur Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises lädt, ist ein emotionaler Abend garantiert. Denn auch bei der 21. Ausgabe, die zum zweiten Mal im Berliner Humboldt Carré stattfand, standen Menschen im Rampenlicht, denen das Schicksal der Tiere nicht gleichgültig ist. Menschen, die sich nicht scheuen, Hindernisse zu überwinden, die mutig Unrecht anprangern und denen der Schutz der Tiere weit mehr bedeutet als der eigene Erfolg. Die festliche Gala war ganz denen gewidmet, die ihre Kraft dafür einsetzen, dass auch die Schwächeren in unserer Gesellschaft – die Tiere – eine Stimme erhalten, und die den Tierschutzgedanken mit Leben füllen. Diesen ganz besonders engagierten Tierschützer*innen bot der Verband an diesem Abend nicht nur die große Bühne und die verdiente öffentliche Aufmerksamkeit. Er belohnte sie dank der Unterstützung der Marken Whiskas und Pedigree, die seit dem ersten Tierschutzpreis als Partner an Bord sind, in den fünf Kategorien auch mit Preisgeldern von insgesamt 18.000 Euro.
„Für die Jury – Stefanie Hertel, Kerstin Winkler als Vertreterin von Whiskas und Pedigree und mich – war es beeindruckend zu sehen, wie viel Engagement es gibt“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, in seiner Begrüßung und betonte: „Die Menschen, die heute hier oben stehen, haben diese Ehre absolut verdient. Sie stehen aber auch stellvertretend für viele tausende andere Tierschützerinnen und Tierschützer in ganz Deutschland.“ Deren Einsatz begeisterte auch die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher, die ein Grußwort hielt und sich freute, an diesem Abend teilnehmen zu können, „an dem das Blitzlicht auf den Tierschutz gerichtet ist. Er lebt von all Ihnen, die sich engagieren, die sich mit so viel Herzblut einsetzen, beruflich, freiwillig und ehrenamtlich.“ Sie bedankte sich „für jede Stunde Zeit, die Sie schenken, denn Zeit ist das Größte, das wir schenken können.“
Weil die Zukunft des Tierschutzes in den Händen derer liegt, die schon früh anfangen, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und Vorbilder zu sein, feierte in diesem Jahr die Kategorie „Nachwuchs“ Premiere. Sie führt das Erbe des Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreises fort, den bislang die Akadamie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes alle zwei Jahre an engagierte junge Menschen verliehen hat. „Da auch den Nachwuchs- Tierschützer*innen eine Auszeichnung auf der großen Bühne gebührt, freuen wir uns, dass der Preis nun als neue Kategorie in den Deutschen Tierschutzpreis eingebunden wird“, erklärte Moderatorin Nina Eichinger, die durch den Abend führte. Nils Tetzlaff nahm als erster Empfänger diesen Preis entgegen – einer der vielen Höhepunkte, die die rund 250 Gästinnen und Gäste, die aus ganz Deutschland in die Hauptstadt gekommen waren, bewegten. Im Publikum waren erneut viele Förderinnen und Förderer des Deutschen Tierschutzbundes, Vertreter* innen des Präsidiums des Verbandes und der Landestierschutzverbände sowie prominente Persönlichkeiten aus Politik, Verbänden und Medien. Sängerin Jocelyn B. Smith stellte bei gleich mehreren Auftritten unter Beweis, warum sie als eine der charismatischsten Soulund Jazzsängerinnen Deutschlands gilt. Und Stanislav Vysotskyi ließ keine Zweifel aufkommen, wieso die vielen Auszeichnungen, die er für seine Jonglage-Kunst erhalten hat, verdient sind – genau wie die der an diesem Abend prämierten Personen. Sie alle setzen durch ihre beispielhafte Arbeit Maßstäbe.

Jeden Morgen um 4.52 Uhr klingelt ihr Wecker und dann beginnt Mirjam Cordt den Tag damit, ihre Hunde zu versorgen. Die Gründerin des 2001 ins Leben gerufenen Vereins „Hilfe für Herdenschutzhunde“ setzt sich im rheinland- pfälzischen Erbes-Büdesheim unermüdlich für die Aufnahme, Vermittlung und fachgerechte Betreuung in Not geratener Herdenschutzhunde ein. „Wenn jedes Tier wie ein Familienmitglied wertgeschätzt und geliebt wird, ist das für mich ethischer, moderner Tierschutz“, sagt Cordt. Das sieht auch Thomas Schröder so. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes überreichte ihr den Deutschen Tierschutzpreis 2025. „Ihr Projekt spiegelt ein tiefes Verständnis dafür wider, dass jedes Lebewesen eine einzigartige Persönlichkeit hat, und dass aggressives oder problematisches Verhalten bei Hunden meist aus Unsicherheit und Missverständnissen resultiert – ausgelöst durch uns Menschen“, lobte er und würdigte das außergewöhnliche Engagement der Preisträgerin, die auch viel Aufklärungsarbeit leistet. „Als Herz, Kopf und Motor ihres Vereins kennt sie keinen Feierabend, keinen Urlaub, keine Feiertage.“ Cordt betonte, dass ihr der Preis aber nicht allein gebühre. „Wir haben ein sensationelles Team. Alle sind mit Leib und Seele dabei.“ Über 530 alte, kranke und traumatisierte Hunde haben sie schon betreut und vermittelt oder bis zum Lebensende begleitet. Mit dem Preis verbunden ist ein Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro, gestiftet von Whiskas und Pedigree.
LEBENSWERK: Eine Klinik als Bastion der HoffnungSie verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft, schlafen im Flug und können monatelang fliegen, ohne den Boden zu berühren. Und doch haben Mauersegler einen schweren Stand, verlieren durch Menschen Lebensräume und oft fehlt es an medizinischer Hilfe, wenn sie verunglückt oder geschwächt sind. Nicht so in Frankfurt am Main. Dort widmet Dr. Christiane Haupt seit fast drei Jahrzehnten ihr Leben den faszinierenden Tieren. „Was in einer Frankfurter Wohnung begann, ist heute eine europaweit anerkannte Wildtier- Klinik“, erklärte Tierfilmer und TV-Tierexperte Christian Ehrlich in seiner Laudatio, bevor er ihr den mit 3.000 Euro dotierten und von Whiskas und Pedigree gestifteten Preis für das Lebenswerk überreichte. „In der Hauptsaison betreuen wir über 300 Vögel auf einmal, dieses Jahr waren es noch mehr“, berichtete die Tierärztin, Gründerin und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler. Als eine von wenigen Veterinär*innen ersetzt sie Federn unter Narkose, „teilweise ganze Gefieder“, wie sie erläuterte. Darüber hinaus hat sie Tierärztinnen und Pflegerinnen ausgebildet, Leitlinien für die tierärztliche Versorgung von Wildvögeln entwickelt und Behörden, Architekten und Bauunternehmen beraten, wie Artenschutz auch im Städtebau seinen Platz finden kann.
PUBLIKUMSPREIS: Handeln statt wegsehenMit elf Drohnen und über 145 ehrenamtlichen Helfer*innen ist das Team um Martina Zander von „Wir retten Rehkitze“ aus Neufahrn in Bayern seit 2022 frühmorgens auf den Feldern unterwegs. Es bewahrt Kitze, Igel und andere Wildtiere vor dem Tod durch große Maschinen. Dafür erhielt es die meisten Stimmen bei der Online- Abstimmung, den Publikumspreis des Deutschen Tierschutzpreises und 3.000 Euro, gestiftet von Whiskas und Pedigree. Nominiert waren auch die Vereine „Meerschweinchenhilfe“ aus Ostfildern, „Notfelle Niederrhein“ aus Schwalmtal und „Steffis Tierhilfe“ aus Ringelsdorf, „die alle den Preis verdient hätten“, wie Laudator, Tierarzt und YouTuber Dr. Karim Montasser in Berlin würdigte.
Nachwuchspreis: Vorbild für Alt und Jung„Nicht nur reden, sondern machen.“ Davon geleitet engagiert sich Nils Tetzlaff seit Jahren unermüdlich für den Tierschutz in Cuxhaven. Mit kreativen Spenden- und Flohmarktaktionen sammelt der 18-Jährige tausende Euro für den Tierschutz, etwa für den Umbau der Quarantänestation oder den Bau einer Zwingeranlage im Tierheim Cuxhaven. „Die Zukunft, die wir uns im Tierschutz erträumen, atmet in deinem Tun“, sagte Laudatorin und Journalistin Kate Kitchenham. Der erstmals vergebene Nachwuchspreis ist mit 3.000 Euro dotiert, gestiftet von Whiskas und Pedigree. Er soll Mut stiften, dass unsere Gesellschaft sich entwickelt und Tierschutz auch in zukünftigen Generationen engagiert gelebt wird.
STIMME FÜR DIE TIERE: Im Einsatz, wo es unbequem wirdSie ist äußerst markant. Auszeichnungswürdig ist sie aber, weil Hannes Jaenicke seine „Stimme für die Tiere“ einsetzt. Der Schauspieler erhielt den Preis in der gleichnamigen Kategorie, die Menschen würdigt, die ihre öffentliche Position nutzen, um sich für Tiere stark zu machen. Das tut er seit Jahrzehnten über eigene Doku- Formate oder Bücher, in Interviews oder als Speaker. „Für Deine Einsätze bist Du immer die Extra-Meile gegangen, auch dahin, wo es unbequem wird – auf die Schwarzmärkte dieser Welt, in die Schlachthöfe Europas, in die Hinterzimmer globaler Industrien, in Regionen, in denen Hoffnung oft ein Fremdwort ist“, lobte Laudatorin Judith Adlhoch, die mit ihm die Filmreihe „Im Einsatz für …“ produziert hat. Dabei sei es, wie Jaenicke auf der Bühne schilderte, ein Balanceakt, die Grausamkeiten aufzuzeigen, ohne Menschen zu verschrecken. „Ich bin wahnsinnig dankbar, dass wir diese Filme machen dürfen.“ Um die Gesellschaft über sie hinaus zu sensibilisieren, wünscht er sich „Nachhaltigkeit, Tier- und Umweltschutz als Pflichtfach ab der ersten Klasse“ und pocht darauf, das Tierschutzgesetz einzuhalten, laut dem Tiere nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden dürfen. „Dieses Gesetz wird jeden Tag millionenfach mit Füßen getreten.“ Die 3.000 Euro Preisgeld – gestiftet von Whiskas und Pedigree – verwendet er für ein Wiederaufforstungsprojekt in Borneo. „Dort retten wir gewaltige Flächen an Regenwald, der billigsten Klimaanlage der Welt, schaffen Jobs für ehemalige Palmölplantagenmitarbeiter*innen und retten Orang-Utans, Gibbons und weitere Tiere.“
Bildrechte: Artikelheader: MIKA-fotografie | Berlin (Gala); Fotos: MIKA-fotografie | Berlin (Gala), Mirjam Cordt (Frau/Hund), Eva Brendel, 61118 Bad Vilbel (Frau/Vögel), Wir retten Rehkitze e.V. (Personen mit Rehkitz), privat (Mann/Katze), Markus Strobel (Mann/Schildkröte))