Autor: Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER
Drei, zwei, eins … Frohes Neues! Ob privat beim veganen Fondue oder auf einer Party – pünktlich um null Uhr fallen sich in der Silvesternacht viele Menschen in die Arme, stoßen an und heißen das neue Jahr willkommen. Das kennen Sie nicht? Vielleicht, weil Sie wegen der privaten Böllerei in der Nachbarschaft jedes Jahr schon Tage zuvor und erst recht ab Mitternacht alles daran setzen, Ihrem verängstigten Haustier so viel Ruhe und Sicherheit wie möglich zu bieten. Die lauten Knalle ängstigen Millionen Hunde und Katzen, die ein viel empfindlicheres Gehör als wir haben. Hinzu kommen die grellen Lichter und der ungewohnte Brandgeruch der Sprengkörper. „Insgesamt sind in Deutschland 35 Millionen Haustiere, zig Millionen Wildtiere, über eine Million Pferde und 200 Millionen Tiere in der Landwirtschaft vom Silvesterfeuerwerk betroffen“, sagt Dr. Moira Gerlach, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Dem kurzen und kostspieligen Vergnügen stehen Angst und Panik gegenüber – in Wohnzimmern, aber auch auf Weiden, in Ställen sowie in den Gärten, Parks und Wäldern, in denen Wildtiere aus der Nachtoder Winterruhe gerissen werden. „Die Gefahr ist groß, dass sie sich dabei verletzen oder gar ums Leben kommen oder wertvolle Energiereserven verbrauchen, die sie zum Überleben in der kalten Jahreszeit dringend benötigen.“
Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit 2022 mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH), private Silvesterfeuerwerke endlich zu verbieten. In einem mittlerweile aus über 40 Organisationen bestehenden Bündis haben sie im Januar 2025 rund zwei Millionen Unterschriften aus zwei Petitionen für ein bundesweites Böllerverbot an das Bundesinnenministerium übergeben und sammeln weiter. Im Mai appellierte der Deutsche Tierschutzbund anlässlich der Innenminister*innenkonferenz erneut an die Landesminister*innen und im August an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, auf ein Verbot hinzuwirken. „Haustiere entlaufen und werden bei unserem Haustierregister FINDEFIX nach der Silvesternacht zahlreich als vermisst gemeldet. Auch die Umweltbelastung ist immens“, erklärt Gerlach. Dass beides nicht sein muss, machen die Niederlande vor. Dort hat das Parlament in diesem Jahr das Ende privater Feuerwerke und des Verkaufs von Böllern und Raketen an Privatpersonen ab dem Jahreswechsel 2026/2027 beschlossen. Auch die EU-Kommission hat 2025 immerhin die 2013 verabschiedete „Pyrotechnik-Richtlinie“ auf den Prüfstand gestellt. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Leid der Tiere darin nicht ausreichend berücksichtigt wird und es gerechtfertigt scheint, „einen stärkeren Schwerpunkt insbesondere auf die Umweltverschmutzung und den Tierschutz zu legen“. Ob und wann die EU die Richtline überarbeitet, steht aber noch in den Sternen.