Aus dem Print-Magazin

Oktopus-Farm gestoppt

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Oktopus-Farm gestoppt

Fünf Jahre kämpften Tierschutzorganisationen und Wissenschaftler*innen gegen eine geplante Oktopus-Zucht auf Gran Canaria. Jetzt hat der spanische Konzern Nueva Pescanova das Vorhaben aufgegeben.

  • Autor: DU UND DAS TIER

Wachsender Markt

Weltweit werden jährlich schätzungsweise 420.000 Tonnen Oktopus gefangen, zehnmal so viel wie noch 1950 – vermutlich sogar mehr, da nicht alle Fangmengen erfasst werden. Zwischen 2017 und 2020 nahm der weltweite Fischereiaufwand für Tintenfische laut einer aktuellen Studie um 68 Prozent zu, vor allem in weitgehend unregulierten Gewässern. Weil die Nachfrage die Wildbestände zunehmend übersteigt, suchen Unternehmen wie Nueva Pescanova nach Wegen, Oktopusse großindustriell zu züchten – tierschutzgerecht ist das jedoch nicht möglich.

Was war los?

Der Fischereikonzern Nueva Pescanova wollte im Hafen von Las Palmas die weltweit erste kommerzielle Oktopus-Farm bauen. Jährlich sollten dort rund eine Million Oktopusse für etwa 3.000 Tonnen Fleisch gezüchtet und getötet werden. Seit die Pläne 2021 bekannt wurden, protestierten Forscher*innen und Tierschützer*innen dagegen. Nach jahrelangem Rechtsstreit um die Umweltprüfung zog Nueva Pescanova seinen Antrag im Juli 2026 zurück.

Warum wäre die Farm für die Tiere eine Katastrophe gewesen?

Oktopusse sind hochintelligente, territoriale Einzelgänger. Ein Leben mit Hunderten Artgenossen auf engstem Raum, wie es die Farm vorgesehen hätte, wäre für sie eine Tortur gewesen. Dicht gedrängt gehalten, hätten viele Tiere unter Dauerstress gelitten, der bis zum Kannibalismus führen kann. Nueva Pescanova selbst rechnete mit zehn bis 15 Prozent Sterblichkeit während der Aufzucht. Getötet werden sollten die Tiere in Eiswasser – ein qualvolles Verfahren. Eine schmerzfreie Tötungsmethode gibt es bis heute nicht.

Wer hat sich für die Tiere eingesetzt?

Bereits 2023 wandten sich mehr als 75 Forscher*innen in einem offenen Brief an die kanarische Regierung. Es folgten Petitionen, Fachgutachten und Gespräche mit politisch Verantwortlichen. Zu den Organisationen, die sich gegen die Farm engagierten, zählten Compassion in World Farming und AnimaNaturalis sowie die Eurogroup for Animals, der europäische Dachverband, dem auch der Deutsche Tierschutzbund angehört. Der Verband war zudem als Mitglied der Aquatic Animal Alliance, einem weltweiten Bündnis für aquatische Tiere, in den Protest eingebunden.

Ist das Thema damit vom Tisch?

Nein. Weltweit arbeiten weiterhin Unternehmen an Testanlagen. Solange kein EU-weites Verbot existiert, bleibt auch ein neuer Anlauf in Spanien oder anderswo denkbar. Der Deutsche Tierschutzbund fordert deshalb gemeinsam mit anderen europäischen Tierschutzorganisationen eine gesetzliche Regelung, die solche Vorhaben von vornherein ausschließt.

Das können Sie tun

  • Essen Sie weder Oktopus noch andere Tintenfische – ohne Nachfrage sinkt der Anreiz für neue Zuchtanlagen sowie Wildfang. Rezepte für den Einstieg in eine tierfreundliche Ernährung finden Sie unter weiljedemahlzeitzählt.de.
    weiljedemahlzeitzählt.de