„Jedes einzelne Tier hat eine Geschichte“

Aus dem Print-Magazin

„Jedes einzelne Tier hat eine Geschichte“

Tierschützer und Content Creator Malte Zierden klärt auf seinen Social-Media-Kanälen Millionen Menschen über Tierschutzthemen auf. Im Rahmen der Kampagne „Jedes Katzenleben zählt“ setzt sich der Preisträger des Deutschen Tierschutzpreises nun zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund für den Schutz von Straßenkatzen ein.

  • Autor: Nadine Carstens, Redakteurin DU UND DAS TIER

Warum liegt Dir der Schutz von Straßenkatzen am Herzen?

Wir Menschen vergessen häufig, dass die größten Probleme direkt vor unserer Haustür stattfinden. Wir gehen oft davon aus, dass Deutschland kaum Probleme mit Straßentieren hat. Ich reise zum Beispiel für Tierschutzthemen um die ganze Welt, dabei ist das Leid dieser Tiere eine genauso große Verantwortung. Für uns alle.

Wusstest Du vorher, dass Millionen Straßenkatzen in Deutschland leben?

Ich wusste, dass die Zahl gigantisch ist. Aber niemals hätte ich gedacht, dass so viel Leid daraus entsteht. Woher auch? Wir Menschen verdrängen häufig das, was wir nicht sehen. Selbst dann, wenn es offensichtlich ist.

Du hast das verborgene Leid einer riesigen Community nähergebracht. Wie haben Deine Follower*innen auf das vielen unbekannte Schicksal der Tiere reagiert?

Viele waren schockiert. Nicht, weil sie weggeschaut haben, sondern weil sie einfach nicht wussten, dass das die Realität in Deutschland ist. Wenn man einmal sieht, wie sehr Tiere unter menschlicher Gleichgültigkeit leiden, kann man das nie wieder vergessen. Aber es ist auch viel Mitgefühl entstanden. Und das ist das Wichtigste: Wir müssen lernen, zu fühlen. Für die Tiere.

Was möchtest Du Halter*innen, die ihre freilaufenden Katzen noch nicht kastriert haben und zu wenig über das Leid von Straßenkatzen wissen, gern mitteilen?

Ich würde sagen: Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Jede unkastrierte Katze vervielfacht ungewollt Leid. Kastration ist kein Eingriff gegen die Natur, sondern ein Schutz für das, was wir selbst aus der Balance gebracht haben. Wer kastriert, verhindert Hunger, Krankheit und Angst.

Was muss sich aus Deiner Sicht ändern, damit die Katzen weniger leiden? Und was würdest Du Dir dabei von politischer Seite wünschen?

Ich wünsche mir, dass Tierschutz nicht länger Privatsache ist, sondern Pflichtaufgabe. Wir brauchen endlich flächendeckende Kastrationspflichten und staatliche Unterstützung für Tierheime, die unter dieser Verantwortung fast zusammenbrechen. Politik darf nicht erst handeln, wenn das Leid sichtbar ist. Sie muss Strukturen schaffen, damit es gar nicht erst entsteht. Tierschutz ist längst kein Nischenthema mehr, es ist Teil unserer mitfühlenden Gesellschaft. Und das werden wir noch in diesem Leben ändern. Da bin ich mir sicher.

Gemeinsam mit unserem Verband rufst Du auch zu Spenden auf. Wie werden die Einnahmen eingesetzt?

Die Spenden fließen direkt in die Rettung und Versorgung von Straßenkatzen – also in Futter, tierärztliche Behandlungen, Kastrationen und in Aufklärungsarbeit. Es geht nicht nur darum, einzelne Tiere zu retten, sondern ganze Kreisläufe von Leid zu durchbrechen. Das Problem wird an der Wurzel angepackt.

Vor kurzem hast Du das Tierheim Mölln, das dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen ist, besucht und die Arbeit von Tierschützer*innen begleitet, die Straßenkatzen versorgen. Welche Eindrücke sind Dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Mich hat die Ruhe beeindruckt, mit der dort jeden Tag geholfen wird – auch dann, wenn niemand hinschaut. In Mölln wird nicht mit Zahlen, sondern mit Herzen gearbeitet. Jedes einzelne Tier hat eine Geschichte, und das Team behandelt alle Tiere so, als wären sie die Einzigen. Mein Respekt gehört den Menschen, die jeden Tag aufs Neue aufstehen – und den hilflosen Seelen unermüdlich Liebe schenken. Das sind die wahren Held*innen unserer Gesellschaft.

Im Tierheim Mölln hast Du zum Beispiel auch den kleinen Straßenkater Batman kennengelernt. Warum hat Dich die Begegnung mit ihm besonders bewegt?

Batman hat kein einziges Wort gebraucht, um mir das Leid der Straßenkatzen zu zeigen. Er war am Ende seiner Kräfte, obwohl er gerade erst auf der Welt war. Er hat bis zum Ende gekämpft, obwohl jeder Atemzug und jede Bewegung schmerzhaft war. Und trotz all dem hat er uns vertraut und bis zum Ende gekämpft. Viele Menschen haben um ihn geweint, obwohl sie ihn nicht einmal kannten. Er hat uns allen gezeigt, wie wichtig es ist, für seine Freund*innen da draußen einzustehen. Pass auf dich auf, da wo du gerade bist, Batman.

Tierschützer*innen, die sich um Straßenkatzen kümmern, sehen immenses Leid. Auch Du wirst immer wieder mit besonders berührenden Tierschicksalen konfrontiert. Wie gehst Du damit um und wie findest Du die Stärke, weiterzumachen?

Es ist schwer, sich nicht gelähmt zu fühlen. Ich meine, schaut Euch dieses endlose Ausmaß an Leid in dieser Welt mal an. Ich verstehe alle Menschen, die nicht mehr können. Aber meine Mama hat mir eine Sache mit auf die Welt gegeben. Ein Satz, den ich niemals vergessen werde. Sie sagte: „Die Menschen können Dir alles nehmen, aber niemals Dein Lachen.“ Und das schenkt mir Hoffnung. Daraus ziehe ich meine Kraft in dem Wissen, dass jedes gerettete Tier zählt. Jede kleine Veränderung, jedes Lebewesen, das wieder Vertrauen fasst, ist ein Gegenbeweis gegen die Gleichgültigkeit. Das ist es, was mich weitermachen lässt. Nicht mehr und nicht weniger.

Helfen Sie den Katzen

  • Unterstützen Sie unsere gemeinsame Spendenaktion mit Malte Zierden. Damit in Zukunft weniger Straßenkatzen im Verborgenen leiden und sterben müssen.
    jetzt-katzen-helfen.de