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Auf goldenen Pfoten

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Auf goldenen Pfoten

Dass in unseren Wäldern neben Hirschen, Wildschweinen, Eichelhähern und Co. auch Wölfe leben, ist den meisten Menschen inzwischen bekannt. Goldschakale sind hingegen eher unbekannte Bewohner unserer heimischen Gefilde. Dabei ist das erste Tier bereits vor 15 Jahren in Deutschland gesichtet worden und inzwischen sind Goldschakale feste Mitglieder unserer heimischen Tierwelt.

  • Autor: Verena Jungbluth, Chefredakteurin DU UND DAS TIER

Wenn es dämmert und die Nacht anbricht, kommen die gelblich-grau bis rötlich und golden gefärbten Tiere aus ihren Verstecken und bewegen sich auf leisen Pfoten durch den Wald. Goldschakale sind dämmerungs- und nachtaktiv und starten ihren „Tag“, wenn die meisten von uns schlafen gehen. Sie leben am liebsten in Landschaften, die strukturreich sowie dicht bewachsen sind und so verschiedene Versteckmöglichkeiten bieten. Auch Lebensräume in der Nähe von Feuchtbiotopen oder Sumpfgebieten mögen sie gern. Die Tiere sind scheu und lieben es, eher unbemerkt durch das Unterholz zu streifen und dabei gar nicht allzu viel Aufsehen zu erregen. Der Kopf der Goldschakale ist durch eine schmale, spitze Schnauze, lange Stehohren und eine braune Gesichtsmaske sowie eine weiß-beige Zeichnung geprägt, die um die Schnauze herum über den Hals oft bis zur Brust und unter den Bauch reicht. Die Haare im Nacken sind länger und lassen die Tiere prächtig erscheinen, wenn sie diese aufstellen, zum Beispiel, wenn sie aufgeregt sind. Auch ihre gold- bis bernsteinfarbenen Augen, die den Tieren nachts bei Dunkelheit eine besonders gute Sicht ermöglichen, sehen beeindruckend aus. Die in der Sonne golden schimmernden Tiere sind im Erwachsenenalter 44 bis 50 Zentimeter groß und acht bis 16 Kilogramm schwer – und damit deutlich kleiner als Wölfe, aber größer als Füchse. Ende der 1990er-Jahre wurde das erste Mal ein Tier in Deutschland, genauer gesagt in der Lausitz, gesichtet – in den Medien glich dies damals einer kleinen Sensation. Allerdings wurde dieser Goldschakal tragischerweise kurze Zeit später illegal erschossen, und es sollte noch bis 2012 dauern, bis es gelang, wieder ein Tier dieser Art in Deutschland zu dokumentieren.

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Goldschakale auf Wanderung

„Wie viele Goldschakale hierzulande heute genau leben, ist nicht bekannt. Sie wurden in den letzten Jahren aber in fast allen Bundesländern nachgewiesen“, sagt Paulina Kuhn, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Zusätzlich zu der Sichtung von zahlreichen erwachsenen Tieren haben Wissenschaftler*innen 2021 zunächst in Baden-Württemberg, 2022 dann auch in Niedersachsen die freudige Nachricht verkündet, dass sie zum ersten Mal Nachwuchs entdeckt haben. Ursprünglich waren Goldschakale in Asien, auf der arabischen Halbinsel und in Südosteuropa heimisch. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Tiere auf verschiedene Wanderungen begeben und ihren Lebensraum so nach Nordund Westeuropa ausgeweitet. „Durch den Klimawandel gibt es in Europa weniger Schnee im Winter, dafür aber heißere Sommer. Das sind gute Bedingungen für die Goldschakale“, so Kuhn. Zudem sind die Tiere wahre Anpassungskünstler. Sie kommen in den verschiedensten Gegenden dieser Welt zurecht – ob in Steppen, Halbwüsten, Wäldern oder Feuchtgebieten zum Beispiel. Auch bei der Ernährung sind sie breit aufgestellt. Bei den Generalisten stehen sowohl Pflanzen, Beeren, Insekten, Vögel und kleine bis mittelgroße Säugetiere wie Mäuse oder Feldhasen als auch Fische, Reptilien, Aas sowie Siedlungs- und Jagdabfälle auf dem Speiseplan. Die sozialen Tiere sind sich treu und bleiben als Partner ein Leben lang zusammen. Sie paaren sich im Januar oder Februar und bringen ihren Nachwuchs nach einer Tragezeit von circa 60 Tagen passend zu den wärmeren Temperaturen des Frühlings im April oder Mai zur Welt. Dann springen in der Regel vier oder fünf quirlige Jungtiere um ihre Eltern herum, die sich gemeinsam liebevoll um die Kleinen kümmern und ihnen alles Wichtige für das Leben beibringen. Dabei leben sowohl die Familien als auch die Goldschakale, die noch keine Familie gegründet haben, in einem flexiblen Sozialsystem. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel einzeln, als Paar oder im Rudel jagen. Grundsätzlich bewegen sich Goldschakale in Territorien, die bis zu 15 Quadratkilometer groß sind, und teilen die Gebiete so unter sich auf.

Von Goldschakalen geht keine Gefahr aus

Wie bei allen „neuen“ Tierarten machen sich Menschen auch bei den zugewanderten Goldschakalen Sorgen, ob die Tiere vielleicht ein Risiko darstellen könnten. „Bisher sind keine Probleme bekannt“, entwarnt Kuhn. „Und wir erwarten auch nicht, dass der Goldschakal heimische Tierarten, geschweige denn uns Menschen gefährden wird.“ Dennoch forderte der Landesjagdverband Baden-Württemberg bereits 2015, den Goldschakal ins Jagd- und Wildtiermanagementgesetz aufzunehmen – noch bevor auch nur ein einzelnes Exemplar in dem Bundesland aufgetaucht war. Auch wenn der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Baden-Württemberg sowie weitere Verbände das damals zum Glück verhindern
konnten, halten die Diskussionen in den Bundesländern bis heute an. Niedersachsen hat den Goldschakal 2022 tatsächlich in das Landesjagdgesetz aufgenommen, jedoch mit ganzjähriger Schonzeit. Das bedeutet, die Tiere dürfen nicht gejagt werden, der erste Schritt in diese Richtung ist jedoch gemacht. Der Deutsche Tierschutzbund und der Deutscher Tierschutzbund Landestierschutzverband Niedersachsen kritisieren das bis heute als weder sinnvoll noch zielführend. Unabhängig davon gilt der Goldschakal in der Europäischen Union nach Anhang V der Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Richtlinie in der Europäischen Union grundsätzlich als geschützt und in Deutschland gemäß Bundesnaturschutzgesetz als eine besonders geschützte Art. „Und das sollte auch unbedingt so bleiben“, sagt Kuhn. „Die eingewanderten Tiere zeigen doch auf eine wundervolle Art und Weise, welche Überraschungen die Natur bereithalten kann. Aus unserer Sicht bereichern sie unsere heimische Tierwelt in jedem Fall.“