Aus dem Print-Magazin

Allergien richtig erkennen

Aus dem Print-Magazin

Allergien richtig erkennen

Falsche Ernährung, ein Flohbiss, Pollen, Hausstaub – Allergien haben oft ganz verschiedene Auslöser, auch bei Hunden und Katzen. Mit Geduld und etwas Detektivarbeit können Halter*innen ihren tierischen Schützlingen aber helfen.

  • Autor: Nadine Carstens, Redakteurin DU UND DAS TIER

Allergiker*innen kennen das Gefühl nur zu gut. Eine falsche Zutat im Gericht, ein ungewohntes Waschmittel oder eine neue Creme, und schon könnten sie sich die Haut zerkratzen. Ebenso plagt viele von uns der Heuschnupfen oder eine Katzenallergie. Wir Menschen sind aber nicht die Einzigen, die mit Allergien zu kämpfen haben. Auch Tiere leiden häufig unter Symptomen wie juckende Haut und gerötete Augen. „Um der Ursache für diese lästigen Beschwerden auf den Grund zu gehen, braucht es Zeit und Geduld“, weiß Lisa Hoth-Zimak, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Meist ist es nicht möglich, direkt festzustellen, welche Art von Allergie vorliegt.“ Daher prüfen Tierärztinnen und -ärzte in der Regel als Erstes, ob es sich um die am häufigsten auftretende Allergieform handeln könnte, die Flohspeichelallergie. „Hierbei muss ein Hund oder eine Katze nicht einmal von Flöhen befallen sein – schon ein einziger Biss eines Flohs kann die Allergie und intensiven Juckreiz auslösen“, so Hoth-Zimak. Die Tiere werden also zunächst gegen Ektoparasiten behandelt. „Wenn dies bereits hilft und sich somit ein Flohbefall bestätigt, ist es wichtig, auch die anderen im Haushalt lebenden Tiere zu behandeln und die Umgebung gut zu reinigen.“ So rät sie Halter*innen dazu, gegen die Flöhe vorzugehen, indem sie Decken und sonstige Textilien ihrer Tiere bei 60 Grad Celsius waschen, Beutel nach dem Staubsaugen im Restmüll entsorgen und spezielle Sprühmittel, Fogger genannt, in der Wohnung anwenden. „Wenn Katzen in dem Haushalt leben, sollten diese Mittel kein Permethrin enthalten, da dies giftig für sie ist“, ergänzt die Expertin. Aber auch Hunde und die Halter*innen selbst sollten sich erst wieder in dem Raum aufhalten, nachdem dort gründlich gelüftet wurde.

Diagnose per Ausschlussverfahren

Lässt sich ein Flohbefall ausschließen, da die Symptome nach wie vor auftreten, geht die Detektivarbeit weiter. „Dann prüfen Tierärztinnen und -ärzte, ob das Tier möglicherweise eine Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie hat“, sagt Dr. Moira Gerlach, ebenfalls Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Denn auch in diesem Fall kann es bei Hunden und Katzen zu Hautirritationen kommen, die meist durch Eiweiße ausgelöst werden. „Diese Symptome äußern sich auch bei einer Futtermittelallergie, ebenso sind Magen-Darm-Probleme möglich. Bei einer Futtermittelunverträglichkeit hingegen leiden die Tiere meist nur unter Verdauungsproblemen wie Durchfall und Erbrechen und nicht unter Juckreiz.“ Für eine eindeutige Diagnose ist eine Ausschlussdiät nötig, bei der Hunde oder Katzen als Futter nur eine einzige Protein- und eine Kohlenhydratquelle erhalten, die sie zuvor noch nie probiert haben – zum Beispiel Kaninchen oder Reh und Buchweizen oder Hirse. „Halter*innen müssen diese Diät streng über mindestens sechs bis acht Wochen durchhalten und währenddessen beobachten, ob die Symptome besser werden“, erläutert Gerlach. „Auch Leckerlis dürfen nur aus diesem Protein bestehen.“ Eine andere Möglichkeit ist sogenanntes hypo- oder anallergenes Futter, so die Expertin. „Hierbei werden die Eiweiße im Futter hydrolysiert, also in winzig kleine Bestandteile zerkleinert – durch diesen chemischen Prozess erkennt das Immunsystem nicht mehr das Eiweiß, das sonst die allergische Reaktion verursacht.“

Allergien durch Pollen, Hausstaubmilben und Schimmelpilze

Kommt jedoch auch eine Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit nicht in Betracht, ist eine Umweltallergie wahrscheinlich. „Dann setzen Tierärztinnen und -ärzte auf eine ‚Ausschlussdiagnose‘, da keine andere Ursache mehr infrage kommt“, so Gerlach. Bestimmte Hunderassen sind genetisch bedingt häufiger betroffen – bei Hunden sind das zum Beispiel West Highland White Terrier, Labradore und Bulldoggen. Betroffene Tiere kratzen sich oft im Gesicht, an den Ohren, an den Pfoten oder am Bauch, haben wiederkehrende Infektionen, schuppiges Fell, Schnupfen und manchmal sogar Asthma. Katzen können zudem Entzündungen insbesondere im Maulbereich sowie Haarausfall bekommen – dies kommt generell häufig bei Katzen vor, egal welche Allergieform sie haben. Die Allergene sind vielfältig und treten oft saisonal auf – etwa im Frühjahr oder Sommer, wenn bestimmte Pollen in der Luft sind. Die Tiere können aber auch auf Hausstaubmilben oder Schimmelpilze reagieren. „Die genauen Auslöser lassen sich mithilfe eines Intrakutan-Tests prüfen“, so Gerlach. „Während das Tier in der Regel unter Narkose ist, injiziert eine Tierärztin oder ein Tierarzt ihm eine Reihe von Lösungen mit unterschiedlichen Allergenen in die Haut und untersucht, ob eine allergische Reaktion auftritt.“ Leiden Hunde oder Katzen besonders stark, kann ihnen ähnlich wie bei uns menschlichen Allergiker*innen eine Desensibilisierung helfen. Hierbei wird den Tieren schrittweise ein Allergen in steigenden Mengen injiziert, um sie daran zu gewöhnen, sodass sie weniger sensibel darauf reagieren. Eher selten kommt es hingegen vor, dass ein Haustier nach einer direkten Berührung mit einem Allergen reagiert. „Das können Decken sein, die mit einem neuen Waschmittel gewaschen wurden, oder auch Bodenreiniger“, so Hoth-Zimak. „Manche Tiere reagieren auch auf Kunststoffe oder Metall – Halter*innen sollten dann Näpfe aus Keramik oder Bambus verwenden.“ In diesem Fall sind die Auslöser leichter zu ermitteln und die allergischen Reaktionen einfach zu verhindern – Halter*innen müssen die Reize nur vermeiden oder entfernen. „Für die Behandlung einer Umweltallergie gibt es zudem verschiedene Präparate, helfen können aber beispielsweise auch das Abduschen des Hundes in der Pollensaison nach jedem Spaziergang oder Hautpflegeprodukte“, so Hoth-Zimak. „Generell ist es wichtig, dass Halter*innen ihre tierischen Gefährten genau beobachten, um herauszufinden, welche Reize Allergien bei ihnen auslösen, und sie tierärztlichen Rat suchen, um eine geeignete Therapie zu finden.“


Anzeichen für einen allergischen Schock

Zu einem allergischen Schock kommt es in der Regel nur durch Insektenstiche. Aber auch sehr enger Allergenkontakt, zum Beispiel, wenn ein Hund durch Gräser gelaufen ist, kann eine starke Reaktion auslösen. Das Tier muss dann sofort in eine tierärztliche Praxis. Mögliche Anzeichen sind:

  • Atemprobleme: Keuchen, Atemnot, schnelle und flache Atmung, Anschwellen der Schleimhäute oder bei einem Stich im Maulbereich auch der Zunge
  • Kreislaufprobleme: Schwäche, Zittern, schneller Herzschlag, niedriger Blutdruck, Kollaps
  • Hautreaktionen: Juckreiz, Nesselsucht, Schwellungen im Gesicht, an den Pfoten oder am Körper
  • Verdauungsprobleme: Erbrechen, Durchfall, vermehrter Speichelfluss
  • Krämpfe und Bewusstseinsverlust

Die Tiere brauchen Sie

  • Unterstützen Sie die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes: Werden Sie Fördermitglied und erhalten Sie das Magazin DU UND DAS TIER frei Haus. Wir informieren Sie über alle tierschutzrelevanten Entwicklungen mit Berichten, Reportagen und spannenden Hintergrundberichten und Sie helfen uns dabei, den Tieren zu helfen.
    duunddastier.de/mitgliedschaft