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Alarmierender Rückschritt

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Alarmierender Rückschritt

Die Bundeswehr rechnet mit einem Anstieg von Tierversuchen für militärische Zwecke. Das ist nicht nur ethisch fragwürdig. Damit vernachlässigt Deutschland auch modernere, tierversuchsfreie Methoden und handelt entgegen aktuellen EU-Plänen.

  • Autoren: Christoph Götz, Redakteur DU UND DAS TIER

  • Joscha Duhme, Redakteur DU UND DAS TIER

Zahlreiche Krisenherde, militärische Konflikte – die Flut der Schreckensmeldungen reißt nicht ab. Aufgrund dieser geopolitischen Lage und der immer komplexeren Fragestellungen der Gegenwart rechnet das Verteidigungsministerium damit, in den kommenden Jahren mehr Tierversuche in der Forschung und Ausbildung durchzuführen. Das ging zuletzt aus einer Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Der Deutsche Tierschutzbund sieht in dem Vorhaben einen alarmierenden Rückschritt und hat sich darum in einem Schreiben direkt an Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius gewandt. Darin benennt Thomas Schröder, Präsident des Verbandes, die Ausweitung als „das falsche Signal“ und fordert ihn auf, Tierversuche bei der Bundeswehr zu beenden. „Moderne, humanbasierte und tierversuchsfreie Methoden stehen bereits zur Verfügung und müssen stattdessen konsequent weiterentwickelt und eingesetzt werden.“

Ohne wissenschaftlichen Mehrwert

Das Tierschutzgesetz verbietet Tierversuche, die dazu dienen, Waffen, Munition und dazugehöriges Gerät zu entwickeln und zu erproben. Die Bundeswehr darf jedoch an lebenden Tieren die medizinische Versorgung von Kriegsverletzungen üben. Der externe Dienstleister, der die Ausbildung der Mediziner*innen begleitet, setzt Tiere bislang etwa ein, um Operationstechniken zu trainieren oder die Folgen von Vergiftungen durch chemische Kampfstoffe zu erforschen. Dazu fügen Ausbilder* innen zum Beispiel betäubten Tieren Wunden zu, die Sanitäter*innen dann notfallmedizinisch versorgen sollen. „Methoden wie diese sind nicht nur aus ethischer Sicht höchst fragwürdig, sondern auch wissenschaftlich längst überholt“, erklärt Tilo Weber, Referent für Tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Studien belegen, dass es kaum einen Mehrwert bietet, an lebenden Tieren zu üben. Tierversuchsfreie Methoden, wie virtuelle Simulationen oder Übungspuppen, sind ein besserer Ersatz.“ Dies gilt auch für den wissenschaftlich bedenklichen Einsatz von Tieren, um die Folgen von Vergiftungen durch Nervenkampfstoffe zu erforschen. „Die Ergebnisse derartiger Versuche sind nur schwer auf den Menschen übertragbar.“

Deutschland verpasst Anschluss

Mit der Ankündigung, Tierversuche auszuweiten, stellt sich die Bundeswehr klar gegen den internationalen Trend. Erst vor Kurzem hat die EU-Kommission einen Fahrplan veröffentlicht, mit dem sie schrittweise aus Tierversuchen für die Sicherheitsprüfung von Chemikalien aussteigen will – langfristig strebt sie den vollständigen Ersatz aller Tierversuche an. Auch die USA haben zuletzt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die Nutzung von Katzen und Hunden in Tierversuchen zu militärischen Zwecken untersagt. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Bundesregierung auf, dieser internationalen Entwicklung zu folgen und an die von der Vorgängerregierung begonnene Reduktionsstrategie für Tierversuche anzuknüpfen. „Eine moderne Armee benötigt ebenfalls moderne wissenschaftliche Methoden“, sagt Schröder.

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