News der Woche: Augsburger Zoo gibt Paviane an Forschungseinrichtung ab

Augsburg – Der Augsburger Zoo hat zwei erwachsene männliche Mantelpaviane an das Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen abgegeben, auch bekannt unter dem Namen „Deutsches Primatenzentrum“. Dort sollen die Tiere laut Medienberichten zwar nicht direkt für Tierversuche genutzt werden. „Dennoch ist davon auszugehen, dass ihre Nachkommen als Versuchstiere im Labor enden“, sagt Leah Haut, Referentin für Tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Wie der Zoo dem Deutschen Tierschutzbund auf eine direkte Anfrage antwortete, wollte die Einrichtung auf diese Weise „das Wohlbefinden und die soziale Struktur sowohl in unserer Gruppe in Augsburg als auch in der Gruppe in Göttingen verbessern“. Während im Primatenzentrum nach dem Tod eines Tieres Männchen fehlten, entstanden in Augsburg Spannungen, da zu viele erwachsene männliche Tiere in einem Harem lebten. Anders als in der freien Wildbahn können Tiere auf dem begrenzten Raum im Zoo sich weder ausweichen noch abwandern. Die Entscheidung, das Affenduo darum an eine Einrichtung abzugeben, die an Primaten forscht und den Tieren in einigen Fällen Schweineorgane transplantiert, entsetzt nicht nur Tierschützer*innen. Auch die Stadt Augsburg, Gesellschafterin des Zoos, bewertet dies kritisch. Die regierende schwarz-grüne Koalition beantragte darum im Stadtrat, die Verwaltung damit zu beauftragen, „gemeinsam mit dem Augsburger Zoo Lösungen zu entwickeln, wie in Zukunft die Abgabe von Tieren außerhalb von anderen Zoos in Deutschland vermieden werden kann.“

Jährlich über 2.000 Affen in deutschen Tierversuchen

Deutsche Forschungseinrichtungen haben 2022 insgesamt 2.204 nichtmenschliche Primaten in Tierversuchen genutzt. Vorwiegend leiden und sterben Javaneraffen in Laboren, aber auch Mausmakis, Totenkopfaffen und Paviane. Damit ist die Zahl gegenüber den 1.886 Tieren im Jahr 2021 sogar gestiegen. Dabei leiden Primaten in Laboren, die oder deren Vorfahren ihrem natürlichen Lebensraum entrissen wurden, die aus europäischer Zucht oder eben hiesigen Zoos stammen. „Darum ist es dringend notwendig, Primatenversuche aus gesetzlich vorgeschriebenen Prüfvorschriften zu streichen, Versuche an Affen in der Grundlagenforschung per Gesetz zu verbieten und zeitgemäße und ethisch-vertretbare tierversuchsfreie Methoden stärker zu fördern“, sagt Hauth.

Dass Zoos Tiere abgeben, ist nicht ungewöhnlich. In vielen Fällen gehen die Einrichtungen, die sich Artenschutz auf die Fahnen schreiben, sogar drastischer vor. Dann töten sie Tiere, deren Gene nicht in ihr Zuchtprogramm passen oder die eigens zur Verfütterung gezüchtet wurden. Das gilt auch für Tiere, die jung und gesund sind oder in freier Wildbahn als „gefährdet“ gelten. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel „Wenn Zoos über Leben und Tod entscheiden“.

(© Foto: Pixabay – Thiago de Paula Oliveira (Affe))

 

 

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