Algier – Die algerische Regierung hat beschlossen, das Töten von Straßenhunden und -katzen zu beenden. Grund dafür ist, dass sich diese grausame Methode bei der Kontrolle der Populationen als unwirksam herausstellte. Laut Schätzungen leben mehrere hunderttausend Hunde und Millionen Katzen ohne Besitzer*innen auf den Straßen Algeriens. Um die Anzahl zu reduzieren, sollen die Tiere künftig kastriert und anschließend wieder in ihrem Revier freigelassen werden. Zudem plant das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei Impfkampagnen gegen Tollwut sowie temporäre Tierheime unter tierärztlicher Aufsicht. Es möchte auch Adoptionen von Tieren fördern. Die neue Strategie umfasst Aufklärungsprogramme, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Haustieren unterstützen. Sie sollen verhindern, dass Halter*innen ihre Tiere aussetzen. Kommunalpolitiker*innen sind dazu verpflichtet, entsprechende Ressourcen für die Umsetzung bereitzustellen. Maßnahmen außerhalb des neuen Ansatzes stellen einen Verstoß gegen das Gesetz dar, der rechtlich geahndet wird.
Tötungsaktionen sind grausam und sinnlos
„Die Einsicht der algerischen Regierung ist erfreulich. Denn Straßentiere zu töten ist nicht nur unmoralisch, sondern auch vollkommen sinnlos“, sagt Lisa Hoth-Zimak, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Anzahl der Straßentiere lässt sich langfristig nicht durch Tötungsaktionen reduzieren, da sich die verbliebenen Tiere weiter vermehren, Tiere zuwandern und ‚Lücken‘ in der Population schnell schließen.“ Das international bewährte Konzept „Fangen, Kastrieren, Impfen Freilassen“ ist die einzige tierfreundliche Lösung, um die hohen Bestandszahlen und das damit verbundene Leid der Straßenhunde und -katzen zu reduzieren. Darüber hinaus ist es erforderlich, dass auch Tiere kastriert werden, die bereits Besitzer*innen haben. „Jetzt kommt es darauf an, dass Algerien sein Vorhaben auch konsequent umsetzt“, so die Expertin.
Internationaler Einsatz für Straßentiere
Nicht nur in Algerien leben Millionen Straßentiere, sondern auch in dessen Nachbarland Marokko. Da dort 2030 die Fußballweltmeisterschaft stattfindet, plant Marokko vorab wieder vermehrt Straßenhunde zu töten. Ein solches Vorgehen würde dem dort geltenden Recht allerdings widersprechen. Der Deutsche Tierschutzbund wandte sich bereits gemeinsam mit der europäischen Dachorganisation Eurogroup for Animals und weiteren europäischen Tierschutzorganisationen mit einem Brief an den Weltfußballverband FIFA, um Tötungen zu verhindern. Aktuell besteht in mehreren Ländern die Tendenz, das Töten von Straßenhunden wieder aufzunehmen, beispielsweise in der Türkei sowie in Kasachstan. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit Jahren aktiv gegen das Leid von Straßentieren im Ausland ein, unter anderem mit eigenen Projekten in Rumänien und dem Tierschutzzentrum in Odessa in der Ukraine. Weitere Infos zum Thema: www.tierschutzbund.de.
(Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (Hund); Unsplash – Marius Zetzmann (Katzen))




