News der Woche: Ab 2026 keine Pyrogentests mehr an Kaninchen

Brüssel – Das Europäische Arzneibuch streicht den sogenannten Pyrogentest an Kaninchen ab 1. Januar 2026 aus seinen Vorschriften. Damit gehört der seit Jahrzehnten umstrittene Tierversuch endgültig der Vergangenheit an – Labore in der EU dürfen ihn künftig nicht mehr durchführen. In Deutschland mussten früher Tausende Kaninchen jedes Jahr dieses qualvolle Testverfahren über sich ergehen lassen, bei dem Forscher*innen Arzneimittel auf fieberauslösende Substanzen prüfen.

Stundenlange Qual für die Tiere

Beim Pyrogentest fixieren Wissenschaftler*innen Kaninchen über acht Stunden in einem engen Kasten. Sie führen den Tieren dann ein Thermometer anal ein und fixieren dieses ebenfalls. Anschließend spritzen die Forscher*innen den Kaninchen eine Prüfsubstanz in die empfindliche Ohrvene, um zu messen, ob und wie stark sich ihre Körpertemperatur verändert. Die Tiere müssen dabei stundenlang bewegungslos ausharren. „Als Fluchttiere stehen Kaninchen bei diesem Test mehrere Stunden lang extrem unter Stress“, erklärt Tilo Weber, Referent für Tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Sie können ihr natürliches Verhalten nicht ausleben, weder fressen noch trinken, sich nicht putzen und nicht mit Artgenossen interagieren. Außerdem leiden einige Kaninchen durch mehrmalige Tests an schmerzhaften Verdickungen der Venen. Je nach verwendeter Probe kann es auch zu Fieber, Atembeschwerden oder Kreislaufversagen kommen.“

Tierfreie Alternative seit Jahren verfügbar

Tatsächlich sind Alternativen zum Kaninchen-Pyrogentest bereits seit vielen Jahren verfügbar. Eine tierfreie Methode, die wissenschaftlich bestätigt und behördlich anerkannt ist und die das Europäische Arzneibuch schon 2010 als Prüfmethode aufgenommen hat, ist der Monozyten-Aktivierungstest. Dieser nutzt menschliche Blutzellen im Reagenzglas. „Dieses Testverfahren liefert zuverlässigere Ergebnisse, die sich besser auf den Menschen übertragen lassen. Er kann Pyrogene in noch niedrigeren Konzentrationen nachweisen, ist im Vergleich kostengünstiger, spart Zeit und lässt sich mit weniger als einem Milliliter Blut durchführen“, erläutert Weber und kritisiert: „Diese funktionierende tierversuchsfreie Methode steht bereits seit 15 Jahren zur Verfügung – trotzdem mussten Kaninchen jahrelang weiter leiden.“ Dies Verzögerung zeige, wie träge das System reagiere. „Hürden für tierversuchsfreie Methoden müssen konsequent abgebaut werden und zugleich müssen deutlich mehr finanzielle Mittel und Forschungsprojekte für deren Entwicklung bereitgestellt werden“, fordert der Experte.

Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich seit Jahren dafür ein, aus Tierversuchen auszusteigen und diese langfristig durch tierversuchsfreie Methoden zu ersetzen. In seiner Publikation Wegweiser Tierversuchsfreie Wissenschaft zeigt der Verband die vielfältigen Möglichkeiten tierversuchsfreier Methoden auf. Weitere Informationen: tierschutzbund.de/tierversuche.

(Bild: Deutscher Tierschutzbund e.V. (Pyrogentest))

Comments are closed.