News der Woche: 600 Millionen Vögel sind seit 1980 in der EU verschwunden

Brüssel – Früher waren Spatzen, Stare und Feldlerchen allgegenwärtig und erfreuten uns vielerorts mit ihrem Gesang. Doch mittlerweile sind genau diese einst so häufigen Vogelarten besonders bedroht. Wie eine aktuelle, im Magazin „Ecology and Evolution“ veröffentlichte Studie belegt, sind in Europa innerhalb von etwa 40 Jahren sage und schreibe 600 Millionen Vögel verschwunden – laut dem Forscherteam rund um Hauptautorin Fiona Burns sind das etwa 17 bis 19 Prozent aller Vögel in der Europäischen Union. Besonders starke Verluste verzeichneten die Wissenschaftler beim Haussperling – allein bei ihm kam es in diesem Zeitraum zu einem Rückgang von 247 Millionen Individuen und das sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum. Während die Spatzen früher oft in Schwärmen in Parks, Gärten oder auf großen Plätzen auftraten, fällt es ihnen heute immer schwerer, geeignete Nistplätze zu finden. Auch andere früher häufige Vogelarten sind selten geworden: Bei der Schafstelze liegt der Verlust der Studie zufolge bei 97 Millionen, beim Star sind es 75 Millionen und bei der Feldlerche 68 Millionen Individuen. Vor allem in offenen Landschaften und auf Feldern sind die Vogelpopulationen den Forschern zufolge stark zurückgegangen.

Vielfältige Ursachen

Für das massenhafte Vogelsterben gibt es zahlreiche Gründe. Zu den Hauptursachen zählt die industrialisierte Landwirtschaft: „Durch den massenhaften Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Dünger ist die Anzahl der Insekten in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gesunken, sodass vor allem Feldvögeln die Nahrungsgrundlage fehlt“, berichtet Katrin Pichl, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Auch schrumpfende Lebensräume sowie der Vogelfang von Zugvögeln seien ein Problem, so die Expertin: „Obwohl die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet sind, wildlebende Vogelarten und ihre Lebensräume zu schützen, werden die Vögel insbesondere in Mittelmeerstaaten oft illegal gejagt.“ Doch die Untersuchungen der Wissenschaftler geben auch Hoffnung: So machen Burns und ihre Kollegen darüber hinaus deutlich, dass sie den Großteil der Rückgänge in der ersten Hälfte des Studienzeitraums festgestellt hätten. Zudem hätten auch andere Studien registriert, dass Schutzmaßnahmen wie die europäische Vogelschutzrichtlinie Früchte tragen – ohne solche Vorkehrungen, bei denen die EU-Mitgliedsstaaten beispielsweise für die Vögel besonders wichtige Gebiete unter Naturschutz stellen, wären die Bestandsrückgänge noch deutlich größer. Bei Vögeln wie Amseln, Zaunkönigen oder Mönchsgrasmücken, die in Wäldern und an Gewässern leben, seien die Zahlen laut Burns sogar wieder gestiegen.

(© Foto: Pixabay – Oldiefan)

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